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Gedenktafel für die Dekabristen am Ort der Hinrichtung in Petersburg
(Quelle: Wikimedia-Commons)

Vorbemerkung: Bei den Dekabristen handelt es sich nicht um eine homogen operierende Gruppe von Menschen gleicher Anschauung und einheitlichen Willens, sondern um junge Menschen zu Beginn des 19. Jahrhunderts, die alle auf ihre eigene Weise danach strebten, Zustände, welche sie für ungerecht und menschenunwürdig hielten, zu verändern. Frei von Ablenkungen, wie sie dem gegenwärtigen Menschen als normal vorkommen (Medien, Handy), investierten sie den Großteil ihrer Lebenszeit in Bildung und Sprachen. Erst auf einem gewissen Niveau fanden manche zueinander und trafen sich, um gemeinsam zu beraten, was vordringlich geändert werden muss. Sie schmiedeten Pläne, die wieder verworfen wurden. Sie rangen um ein Stück Wahrhaftigkeit aus dem Bestreben nach Ehrlichkeit und christlicher Nächstenliebe. Als sie den Zustand der Ungewissheit (wie es mit Russland weitergehen soll) nach dem Tod Alexander I. nicht mehr ertragen konnten, ließen sich einige wenige von ihrem Temperament hinreißen und setzten alles auf eine Karte. Wie fast vorauszusehen, blieben die Aktionen nach dem 13. Dezember 1825 nicht frei von Verrat und Feigheit. Der Putsch mißlang zum Preis vieler namenloser Opfer. Wenn ich die Dekabristen durch meine Arbeit ehre, dann tue ich dies in der Hoffnung, dass dieser oder jener eine Lehre daraus zieht, wie sie mit ihrer Niederlage umgingen. Ich halte dies für weitaus interessanter, als die Beschreibung von Größenwahn, wie er sich bei allen sog. Siegertypen einstellt.

Die Abbildungen stammen zum Teil aus dem virtuellen Dekabristenmuseum von A. Samal (Moskau), andererseits aus div. Publikationen sowie aus eigener Hand

zu bestellen bei: www.epubli.de/Winsmann






Vincey: "Nachricht aus St. Petersburg" (nach Smirnow)


Annenkow, Prasskowja Jegorowna (geb.Goeble), 1800 - 1876


Dawydow, Alexandra Iwanowna (geb. Potapowa), 1802 - 1895




Fallenberg, Anna Fedorowna (geb. Sokolowa), gest. 1890

- kein Bild vorhanden

von Wisin, Natalja Dmitrijewna (geb. Apuchtina), 1804 - 1869


Was nach der Gefängnishaft in Petrowsk Maria Wolkonsky und Katharina Trubetzkoi in Ostsibirien leisteten, tat Natalia von Wisin für die Dekabristen in Westsibirien. Aus diesem Grunde war sie auch bei Iwan Pustschin die beste Ansprechpartnerin für dessen umfangreiche Korrespondenz ( > 7000 Briefe). Als ihr Mann starb, hielt ihr Iwan Pustschin die Treue und vermählte sich mit ihr für die letzten Lebensjahre. Er nannte sie seine große Zauberin. Warum auch immer...

Iwaschew, Camilla Petrowna (geb. Le Dantu), 1808 - 1839

Vincey-Version der Camilla um1834

Die Mutter einer der ersten russischen Frauenrechtlerinnen ( Maria W. Trubnikowa). Camilla verstarb nach der Geburt ihres vierten Kindes nach einer kurzen Zeit nahezu vollkommenen Glücks, denn die Ehe, zu der sie überredet wurd, erwies sich als seelischer Glücksfall. Unten: Vincey-Gedenkblatt für ihren 1832 verstorbenen Sohn Sascha.

(C) Vincey

Jakuschkin, Anastasia Wassiljewna (geb. Scheremetjewa), 1807 - 1846


Am 11. November 1827 sah sich das Ehepaar Jakuschkin zum letzten Mal. In Jaroslawl musste Anastasia, die ihrem Mann nach Sibirien folgen wollte, diesem versprechen, daheim zu bleiben und sich um die Erziehung der Kinder zu kümmern. Sie verzichteten auf das eigene Glück, um ihre Verantwortung wahrzunehmen. Schon deshalb ist es bezeichnend, dass Iwan Jakuschkin derjenige unter den Dekabristen war, der sich nach der Ansiedlung mit am intensivsten um die Ausbildung der nachwachsenden Generation kümmerte. Diesen Konflikt schildert Irina Aminodowa (etwas ausschweifend und breit, ohne viel Faktenwissen) in ihrem 2007 erschienen Trivialroman: "Die Dezember-Gräfin" (ISBN 5-9717-0341-2)
Anastasias jüngster Sohn Jewgenij wurde am 22. Januar 1826 geboren und kannte seinen Vater nur vom Hörensagen, unternahm aber viel, um ihn zu verstehen und die Dekabristen kennen zu lernen (u.a. Briefwechsel mit I.I. Pustschin). Er ist in gewissem Sinne Bestandteil der Dekabristenlteratur; Jewgenijs Sohn Wjaceslav (benannt nach dem Bruder) wurde Literaturwissenschaftler. Dessen Sohn Iwan (Biologe und Agrarspezialist/Stalinpreisträger) war wieder Vater des Chefs für Aufklärungsabeit in den USA: Dmitrij Iwanowitsch Jakuschkin. Dessen Sohn (1957 geboren) ist heute Direktor einer Goldmine (zuvor Pressechef unter Jelzin) und Berater des Präsidenten. So gesehen, hat sich das Opfer, das Anastasia Jakuschkin brachte, durchaus gelohnt...

Der Sohn des Dekabristen, der Geheimkorrespondent Alexander Herzens: Jewgenij Iwanowitsch Jakuschkin

Generalmajor des KGB: Dmitrij Iwanowitsch Jakuschkin (1923-1994); Chef der 3. Abteilung und verantwortlich für die Aufklärung in den USA. Hat er ein Erbe Benckendorffs übernommen? Auf jeden Fall war er Ururenkel des Dekabristen Iwan D. Jakuschkin.
Sein Sohn ist heute Berater des Präsidenten Russlands, also ein aktueller GUS-Berater und damit schon fast ein Kollege von mir...

Jentaltzew, Alexandra Wasiljewna (geb. Lissowskaja), 1790 - 24.07.1858

Sie war in zweiter Ehe mit Andrei Wasiljewitsch Jentalzew verheiratet und zögerte keinen Moment, ihm nach Sibirien zu folgen. Als er an Alzheimer erkrankte, verkaufte sie das Haus und bezog mit ihm eine gemütliche kleine Wohnung. Hier achtete sie darauf, dass er das schönste Zimmer mit Blick zur Sonnenseite hatte, stellte ihm eine Pflegerin zur Seite und tat alles, damit er sich in seinen letzten Tagen so wohl wie möglich fühlt. Ausgerechnet bei ihm, der so vielen Menschen mit seiner Medizin geholfen hatte, versagten alle Künste der Ärzte... 

Vincey: Alexandra Wassiljewna als junge Frau

Juschnewskij, Maria Kasimirowna (geb. Krulikowskaja), 1790 - 1863


Murawjow, Alexandra Grigorjewna (geb. Tschernyschewa), 1804 - 1832


Murawjow, Vera Alexejewna (geb. Gorjainowa), 1790 - 1867

Murawjow, Josephina Adamowna (geb. Brackman), 1814 - 1886


Murawjow, Prasskowja Michailowna (geb. Schachowskaja), 1788 - 1835


Naryschkin, Elisaweta Petrowna (geb. Konownizyna), 1802 - 1867


Orlow, Jekaterina Nikolajewna (geb. Rajewskaja), 1797 - 1885


Poggio, Maria Andrejewna (geb. Borosdina),

Sie wollte ihrem Mann nach Sibirien folgen, wurde aber von der Famiie getäuscht und heiratete erneut, als sie annahm, daß ihr Mann in der Haft verstorben sei.

Poggio, Larissa Andrejewna (geb. Smirnowa), 1823 - 1892

Poliwanow, Anna Iwanowna (geb. Wlassjewa), 1807 - 1846

von Rosen, Anna Wassiljewna (geb. Malinowskaja), 1797 - 1883


Ruckiewicz, Kornelia Iwanowna (geb. Rukiewicz),

Ruckiewicz, Xaweria Iwanowna (geb. Rukiewicz),

Rylejew, Natalja Michailowna (geb. Tewjaschewa), 1800 - 1853

Schachowskoi, Warwara Michailowna, um 1805 - 1836 

Sie war die Braut des Dekabristen Muchanow und begleitete ihre Schwester nach Sibirien. Nach jahrelangen Bitten, die Verbindung zu genehmigen, erhielt sie im November 1833 den endgültigen Bescheid von der III. Abteilung, dass dem Bund nach den geltenden Regeln der rechtgläubigen Kirche nicht zugestimmt werden kann, wenn Geschwister von Braut und Bräutigam untereinander verheiratet sind, wie es bei ihr der Fall war. Der Kummer machte sie so krank, dass sie 1836 starb. Daran änderte auch der Umzug auf die Krim nichts mehr, wohin sie mit der Familie A.N. Murawjow zog.



Trubetzkoi, Jekaterina Iwanowna (geb. Prinzessin Lavalle), 1800 - 1854

Sie war die erste Dekabristen-Gattin, die sich gegen alle Widerstände durchsetzte, um den Beweis ehelicher Treue in Not und Leid anzutreten und als eine der Wahlschwestern Jesu Christi in die Geschichte einzugehen (Kreuztragung!). Dass man sie nicht so nennt, beruht lediglich auf der Bescheidenheit jener Frauen, die vom wissenden Volk wie Heilige verehrt werden. Durch ihr mutiges Handeln rehabilitierte Katharina Trubetzkoi die Verzagtheit ihres Mannes, des erwählten Diktators, der alles andere war als das, was diese Bezeichnung auszudrücken scheint.

Wolkonsky, Maria Nikolajewna (geb. Rajewskaja), a.d. 1820


aquarellierte Zeichnung von Vincey (2011)

In Tschita

Aquarell von N.A. Bestushew 1830

In Irkutsk

Portraitiert von K. Maser

nach der Verbannung und vom schweren Nierenleiden gezeichnet



Die Verurteilten der 1. Kategorie sollten ursprünglich enthauptet werden. Nikolai I. änderte das Urteil am 10.07.1826 (vorl.) auf ewige Zwangsarbeit.

Jakow Maximowitsch Andrejewitsch, Leutnant  (1801-1840)


Nachdem der Geheimbund entdeckt wurde und die Gendarmen mit Haftbefehlen unterwegs waren, blieb Jakow Andrejewitsch der "Sache" treu und versuchte alles Menschenmögliche, um in den letzten Dezembertagen des Jahres 1825 jene Streitkräfte zu mobilisieren, die sich über ihre Kommandeure zur Teilnahme am Aufstand verpflichtet hatten. Die Erfahrungen, die er dabei machen musste, waren alles andere als ermutigend.

Anton Petrowitsch Arbusow, Marineleutnant                     (1797-1843)


Aus dem Tagebuch von W.D. Filosofow über die letzten Tage von Anton Arbusow: "Er war ein außergewöhnlich kluger Mensch mit liebenswürdigen, guten Umgangsformen. (...) Er hatte einen derartigen Grad der Armut erreicht, dass er sich nur noch von Fisch ernährte, den er selbst angelte. Konnte er einen Tag nichts angeln, blieb er ohne Nahrung. Schlielich verließen ihn die Kräfte; vier Tage lag er dann da und bat seine Wirtin, ihm 20 Fische zu borgen. Am fünften Tag lehnte es die Wirtin ab, ihm weiter behilflich zu sein. Bei 30 Grad Kälte ging er los, krank wie er war, um Fisch zu fangen, schaffte es noch, das Eisloch freizulegen, doch dann verließen ihn die schwachen Kräfte; er fiel ins Wasser, konnte sich wieder aufs Eis retten, ging aber nicht nach Hause, sondern fing weiter Fische. Er warf eine Reuse aus und fing zum Glück so viele Fische, dass er die hartherzige Wirtin auszahlen konnte. Als er wieder zurück war, zahlte er ihr - schon fast zu Eis erstarrt - seine Schulden und sagte, dass er von nun an weder Fisch noch sonst etwas brauche..."

Fürst Alexander Petrowitsch Barjatinskij,Rittmeister ( 1799-1844)


Er war der Stellvertreter P. Pestels in Tultschin und wurde auf Befehl vom 27. Dezember 1825 in Tiraspol verhaftet. Der einstige Dolmetscher des Aussenministeriums wird am 03. Januar 1826 nach Petersburg gebracht und lernt in der Folge die Peter-Pauls-Festung von innen kennen, ebenso jene von Keksholm und Schlüsselburg. Man behandelt ihn als einen der Hauptverantwortlichen, und es ist schade, dass es nur spärliche Berichte über ihn gibt.

Alexander Alexandrowitsch Bestushew, Hauptmann  (1797-1837)


Pseudonym: Marlinskij; in Deutschland erschienene Werke:                    "Die Fregatte Nadeshda", Brandenburgisches Verlagshaus 1990

Das lyrische Werk von A.A. Bestushew (in russischer Sprache) findet man unter: www.litera.ru/stixiya/authors/bestuzhev 

Literat, Autor und Miteherausgeber des "Polarsterns", einer recdht erfolgreichen und beachteten Zeitschrift, die er gemeinsam mit K.F. Rylejew herausgab. Sein tragisches Schicksal (Verbannung, Tod im Kaukasus) trug einiges zu seiner Popularltät bei, die sich aber auf Russland beschränkt. Mehr über ihn (wie auch über seine Brüder) erfährt man in dem Band "Die Familie Bestushew", der 2016 bei KÖHLERBUCH erscheint.

Wladimir Alexandrowitsch Betschasnow, Fähnrich    (1802-1859)




Peter Iwanowitsch Borissow, Unterleutnant              (1800-1854)    Gründungsmitglied und Vorsitzender der "Gesellschaft vereinigter Slawen"; er ließ sich reaktivieren, um eine Reiterkompanie zu übernehmen, die er in den Kampf führen wollte 


Er zählte mit seinem Bruder Andrei zu den sog. "Verschwörern", insgesamt 15 Personen im Südbund der Dekabristen, die bereit waren, ein Attentat auf den Herrscher zu verüben und sorgte mit selbigem für die Koordination des Aufstandes im Süden, der nach jener vernichtenden Niederlage Sergei Murawjows am 3. Januar 1826 (altes Datum) abgebrochen wurde. In der Verbannung gründete er einen Kreis von "Freunden der Demokratie", beschäftigte sich mit Naturwissenschaften und gab Unterricht.

Wassilij Lwowitsch Dawydow, Oberst                      (1793-1855)


Wassili Abramowitsch Diwow, Midship-Mann             (1805-1842)


Als man Wassilij Abramowitsch am Abend des 14. Dezember in der Kaserne verhaftete, brach für ihn eine Welt zusammen. Die Haftbedingungen ertrug er nur durch teilweise Aufgabe seines Verstandes. Anders ist es nicht zu verstehen, dass er sich bei den Verhören immer wieder selbst belastete. Die Quittung war: Festungshaft mit Zwangsarbeit in Bobruisk nach einem Jahr Schlüsselburg. Als die Kameraden in Sibirien angesiedelt wurden, musste er als Soldat in den Kaukasus. Die Folge war, dass der einst so schneidige Seeoffizier mit 37 Jahren elend den Verletzungen erlag, die ihm von Gorzen (wehrhafte Bewohner des Kaukasus) beigebracht wurden.

Iwan Iwanowitsch Gorbatschewskij, Unterleutnant    (1800-1869)


Das ehemalige Mitglied der "Gesellschaft der Vereinigten Slawen" zählte zum Kreis der sog. "Verschwörer" (Männer, die zu ALLEM entschlossen waren, um das System der Monarchie zu stürzen), blieb nach seiner Ansiedlung und auch nach der Amnestie in Petrowsk, wo er 1865 Friedensrichter wurde und interessante Erinnerungen hinterließ. Sein Brief vom 12. Juni 1861 an Michail Besushew sorgte bei den Verehrern Puschkins für einige Aufregung. Darin hieß es u.a.:"Armer Puschkin - er weiß nichts davon, daß man uns von der Oberen Duma untersagt hatte, die Bekanntschaft mit dem Poeten Alexander Sergejewitsch Puschkin zu suchen, als dieser im Süden lebte. Weshalb, das wurde ganz direkt gesagt: weil er uns aufgrund seines Charakters, bei seinem Kleinmut wie bei seinem unverantwortlichen Lebensstil sofort bei der Regierung  angezeigt hätte...Murawjow-Apostol und Bestushew-Rjumin haben mir Sachen über Puschkin erzählt..., dass ich noch jetzt rote Ohren davon bekomme." G. korrepondierte mit vielen Dekabristen, insbesondere mit D.I. Sawalischin, I.I. Pustschin sowie Jewgenij Obolenskij. Die erhaltenen 81 Briefe sind ein Dokument zum Leben der Dekabristen während der Ansiedlung ab dem Jahr 1839. Ein Teil der Korrespondenz findet sich in Band 5 meiner Dekabristen-Editio.

Alexander Iwanowitsch Jakubowitsch, Hauptmann    (1796-1845)


Iwan Dmitrijewtsch Jakuschkin, Hptm. a.D.              (1793-1857)


Einer der Gründer des Rettungsbundes und Mitorganisator eines versuchten Aufstandes in Moskau im Dezember 1825. Sein Plan zum Zarenmord (1817) rief in der Untersuchungskommission die größte Empörung hervor. Nach seiner Ansiedlung gründete er gemeinsam mit S. Snamenskij die Lancasterschule in Jalutorowsk und gibt hiermit ein Signal zur Bildungspolitik in Sibirien.

Alexei Petrowitsch Juschnewskij, Gen-Int. der 2. Armee (1786-1844)


Er gehörte dem Direktorat des Südbundes an und saß nach der Urteilsverkündung noch über ein Jahr in der Feste von Schlüsselburg unter strengstem Arrest. Er starb während der Beerdigung seines Kameraden Wadkowskij in Ojok. Seine Gebeine wurden 1952 auf den Lisichinsker Friedhof von Irkutsk umgebettet.

Wilhelm Karlowitsch Küchelbecker, Kollegialassesor   (1797-1846)

nach einer Zeichnung von G. Annenkow

Der Lyzeumskamerad von Alexander Puschkin gehörte schon zum Mitgliederkreis des "Heiligen Artels" und sorgte in literarischen Zirkeln für die Verbreitung progressiven Gedankengutes. Er nahm aktiv am Aufstand des 14. Dezember 1825 teil, konnte fliehen, wurde aber in einem der Vororte von Warschau ergriffen und mußte seine Strafe bis 1835 in verschiedenen Festungen abbüßen. Obwohl zur Ansiedlung in Bargusin/b. Irkutsk vorgesehen, landet er 1839 auf allerhöchste Anweisung in der Festung von Akschinsk und lebt nur zwei Jahre in Kurgan, bevor er in Tobolsk stirbt. Seine Verlobte hatte bis 1835 noch auf ihn gewartet, dann entschieden sich beide für eine Trennung...

Artamon Sacharowitsch Murawjow, Oberst              (1793-1846)


Seinem Wankelmut war es zu verdanken, dass der Aufstand des Tschernigower Regiments derart kläglich endete, wie er dann endete. Anstatt die Informationen Sergei Murawjows an die 8. Brigade weiterzuleiten, vernichtete er das Schreiben und sorgte damit für quälende Ungewißheit. Damit übernahm er im Süden gewissermaßen die Rolle des verhinderten Diktators Trubetzkoi, der seine Truppen auch im Stich ließ, als ihm die Konsequenzen eines Aufstandes plötzlich bewußt wurden.

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Nikita Michailowitsch Murawjow 1824, Hauptmann       (1795-1843)

Aquarell: P.F. Sokolow

Nikita Murawjow, der sich nach Antritt seine Erbes vom radikalen Revolutionär zum Verfechter einer konstitutionellen Monarchie wandelte, war innerhalb der Familie Murawjow, zu der man auch die Lunins und Bakunins zählen darf, sehr beliebt. Er zählte schon zu jenen Zeiten, in denen A.S. Puschkin am Lyzeum von Zarskoje Sjelo war, zu dessen Freundeskreis. Die ersten Briefe schrieb er im Jahr 1813, ausgehnd von seinem Abschied im Elternhaus, als er nach langen Wegen und der Völkerschlacht bei Leipzig in Halle/Saale für einige Tage zur Ruhe kam, Grüsse vom Saale-Fluss schickte. Dann ging es weiter zum Rhein und nach Paris. Unter den Mitgliedern des "Arsamas" galt er als Kritiker des epochalen Werkes Karamsins: "Die Geschichte des russischen Staates". Gemeinsam mit Michail Lunin reiste er 1820 zu Pestel, nach Odessa und auf die Krim, um auf der Rückreise die Auflösung des Wohlfahrtsbundes zu erleben. Er gehörte anschließend sowohl dem Direktorium des Nordbundes wie des Südbundes an und ist Verfasser jener "Konstitution", die nach erfolgreichem Putsch im Senat verlesen werden sollte. Seine in Sibirien geborene Tochter hinterließ interessante Aufzeichnungen, aus denen leider nicht hervorgeht, in welchem Maße er an den Schriften Michail Lunins beteiligt ist, mit dem er nach der Ansiedlung viel zusammen war.

Matwei Iwanowitsch Murawjow-Apostol, Oberst       (1793-1886)

Zur Zeit der Ansiedlung in Sibirien war er der Ziehvater von I. Pustschins Tochter Anna. Wenn das kein Freundschaftsbeweis ist...!

Cousin 2. Grades des vorgenannten Nikita M. Murawjow

Der 20-jährige Matwei schrieb nach der Völkerschlacht von Leipzig am 21. Oktober 1813 über seinen jüngeren Bruder: "Sergei hat sich dort mit seinem Bataillon geschlagen, wie er es zuvor noch nie erlebt hat, ist aber ganz und unverletzt geblieben, obwohl er sich von Mittag an bis in die Nacht zum 16. Oktober unter ständigem Beschuss befand: selbst die alten Kämpfer sagen, dass sie sich an ein ähnliches Feuer nicht erinnern können. (...) Uns steht nun der Gang zum Rhein bevor und eine wonnige Heimkehr..." Nach den Befreiungskriegen gründet er mit Freunden den "Rettungsbund", ist ein Jahr später auch Gründungsmitglied des "Wohlfahrtsbundes" und nach dessen Auflösung 1821 Mitglied des Südbundes. 1823 geht er als Oberstleutnant in Pension und hält sich auf seinem Gut in Chomutetz auf. Dort entwickelt er eine kritische Haltung zum Geheimbund, die er im November 1824 seinem Bruder Sergei schriftlich mitteilt. Er warnt ihn vor allzu unüberlegten Visionären wie Juschnewskij, den er für krank hält und ermahnt seinen Bruder zur Besonnenheit. Der Brief fiel später in die Hände der Untersuchungskommission und war ausschlaggebend dafür, dass er nicht gemeinsam mit seinem Bruder gehängt wurde, sondern ein hohes Alter erreichte.

Fürst Jegenij Petrowitsch Obolenskij, Oberleutnant         (1796-1865)


Im Gegensatz zu seinem Bruder Konstantin, Mitglied des Nordbundes und Adjutant des Geraladjutanten Potjomkin, wurde J.P. Obolenskij nach seiner aktiven Teilnahme am Aufstand des 14. Dezember in Ketten gelegt und auch in Ketten nach Sibirien deportiert. Nach seiner Begnadigung zu lebenslanger Ansiedlung in Sibirien heiratete er 1846 in Jalutorowsk eine ehemalige Leibeigene. Mit ihr zeugte er 8 Kinder, von denen aber nicht alle das erste Lebensjahr überstanden. 1831 wurde die geheime Überwachung seines Bruders Konstantin beendet. Sein Bruder Nikolai war mit einer Fürstin Wolkonsky verheiratet. Der Vater, Fürst Peter Nikolajewitsch Obolensky, war Staatsrat, Gouverneur des Kreises Tula und Besitzer von 1348 Seelen.

Nikolai Alexejewitsch Panow, Leutnant                     (1803-1850)


Alexander Semjonowitsch Pestow, Unterleutnant      (1802-1833)

Alexander Viktorowitsch Poggio, Oberst                   (1798-1873)


Iwan Semjonowitsch Powalo-Schweikowskij,Oberst  (1787-1845)


Die vollmundigen Erklärungen des frischgebackenen Obristen, dass die Soldaten und Offiziere seines Ex-Regiments (Alexopolsker Rgt.) auf einen Wink herbei eilen, um sich am Aufstand zu beteiligen, erwiesen sich in dem Moment, als es wirklich darauf ankam, als leere Versprechungen.

Iwan Iwanowitsch Pustschin, Richter                        (1798-1859)


Literatur:                                                                                     Natan Edelmann "Bolschoi Jeannot",         Verlag Wagrius 2004             (ISBN5-475-00066-2)   

Er sorgte dafür, dass die Kinder seiner Lebensgefährtin in Sibirien von seinem Bruder adoptiert wurden, um  ihnen bestmögliche Entwicklungschancen zu sichern.

Vincey's Pustschin-Portrait

Dmitrij Irinarowitsch Sawalischin, Marineleutnant       (1804-1892)


Initiator eines "Erneuerungsordens", dessen Ziele er 1822 in einem Brief Alexander I. mitteilte, der das Projekt für undurchführbar erklärt. Ob er sich daraufhin dem Nordbund anschliesst, ist noch nicht geklärt. Zur Zeit des Aufstandes am 14.12.1825 befindet er sich auf Urlaub im Gouvernement Simbirsk, wird mitte Januar 1826 dort verhaftet, verhört und wieder frei gelassen. Am 2. März 1826 wird er erneut verhaftet und trotz gegenteiliger Beteuerungen nach Kategorie I. verurteilt. Nach der Amnestie bleibt er in Sibirien, zeigt u.a. Übergriffe des Generalgouverneurs von Ost-Sibirien an und publiziert im "Marineblatt". Daraufhin wird er 1863 aus Tschita gewiesen und lebt anschliessend in Moskau. Er ist Publizist, Ethnograph und Autor von staatsfeindlichen Gedichten. Seine "Erinnerungen" konnten lange Zeit nicht veröffentlicht werden, da sie vielen zu skandalös erschienen.

Michail Matwejewitsch Spiridow, Major                     (1796-1854)

Bildnis des Vaters um 1776:


Sohn des Senators Matwei Spiridow (1751-1829), s. Foto oben, und dessen Frau Irina, einer geb. Fürstin Stscherbatow. Er war ein führendes Mitglied der "Gesellschaft Vereinigter Slawen" (Vertrauensmann) und wird schließlich zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, weil er zu den sog. Verschwörern - Aktivposten des Südbundes! - zählte und die Soldaten zum Staatsstreich motivierte. Nach Verbüßung der Strafe, die 1835 auf 13 Jahre Zwangsarbeit gemildert wurde, geht er nach Krasnojarsk, bzw. Drokino und widmet die letzen Jahre seines Lebens der Landwirtschaft. Er gründet einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb nebst Bank, eine öffentliche Bibliothek und verteilt Saatgut an die Bauern. Anfang der 50-er Jahre ist er Besitzer eines ansehnlichen Gutes mit 40 ha Saatland. Er besitzt 20 Pferde, diverses Vieh, hat neben einem Verwalter und einigen Knechten auch eine Köchin und einen persönlichen Diener, konstruiert landwirtschaftliches Gerät und züchtet Kartoffeln - die Spiridowka.  Sein Leben steht für eine unbeugsame Persönlichkeit, die es selbst nach Kerker und Zwangsarbeit schafft, zu mittlerem Wohlstand zu kommen. Unterstützt wurde er hierbei von seinen Brüdern. Er war Teilnehmer des Vaterländischen Krieges und kämpfte u.a. bei Dresden, Leipzig und Paris (Annenorden und Wladimirorden IV. Klasse).



Stabshauptmann der Leibgarde des Moskauer Regiments  (1798 - 1858)

Er war der erste, den man noch auf dem Schlachtfeld am Abend des 14. Dezember 1825 verhaftete. Er übergibt (bereits mit abgerissenen Schulterstücken) Generalmajor Schipow seinen Säbel und sagt u.a. aus: "Ich hatte dem Korpsadjutanten Fürst Obolenskij fest versprochen, mit allen Kräften dafür zu sorgen, dass die Vereidigung auf Konstantin Pawlowitsch nicht anulliert wird... Während der Ereignisse wurden die Soldaten von vielen Leuten im Frack angefeuert."

Die letzte Bemerkung sorgte für einige Irritationen und veranlaßte die Untersuchungskommission anfangs, in einer völlig falschen Richtung zu recherchieren. Unbekannte (Ausländer?) im Frack galten eine Zeit lang als die eigentlichen Anstifter des Aufstands/Protestes.

Alexander Nikolajewitsch von Sutthoff, Leutnant       (1801-1872)


Sohn des Generalmajors Nikolai Iwanowitsch Sutthoff. Schon als Kind wurde er bei den Don-Kosaken des Ataman Platow als Kämpfer eingetragen. Nach einer nicht abgeschlossenen Ausbildung an der Moskauer Universität kommt er 1817 als Junker zum 7. Jägerregiment und wird 1825 Mitglied des Nordbundes. Er war über seine Frau Anna, ein geb. Jantschukow, mit dem Dekabristen Naryschkin verschwägert, wird nach der Haft in Petrowsk in Malaja Raswodnja angesiedelt und "darf" 1848 als Soldat in den Kaukasus ziehen. Er stösst zum Jägerregiment des Fürsten Woronzow, dient sich bis zum Fähnrich hoch und bekommt 1855 aus gesundheitlichen Gründen 6 Monate Genesungsurlaub, die er in Moskau verbringt. In der Folge, insbes. nach 1856, wird er Verwaltungschef der Güter des Grossfürsten Michail Nikolajewitsch in Borzhomi auf der Krim, wo er 1872 stirbt. Seine Tochter Warwara heiratet den Fürsten M.M. Golizyn

Fürst Sergei Petrowitsch Trubetzkoi, Oberst             (1790-1860)

um 1830 (nach einem verschollenen Aquarell gez. von Vincey)

Ob man ihm je verziehen hat, die Aufständischen am Tag der Entscheidung im Stich gelassen zu haben, bleibt wohl ungeklärt. Eine Schwäche ist verzeihbar, ein Versagen kaum. Interessant sind aber seine Aufzeichnungen zum 14. Dezember 1825 aus den 40-er Jahren allemal. Darin heisst es u.a.: "So sehr der Mensch auch am Leben hängt, riskiert er lieber noch einmal Alles, bevor er im Nichtstun endet. Und hat eine Leidenschaft erst einmal über den Verstand obsiegt, ist der Mensch gewissermaßen zu allem bereit und handelt ohne Verstand. Genährt wird dies immer von der Hoffnung, dass sein Opfer nicht sinnlos ist und sein Tun in irgendeiner Form belohnt wird. Er empfindet sich in einer Verantwortung, auf die sein Leben zugeschnitten scheint, weshalb es nun an ihm ist, fest und entschlossen für all das einzustehen, was er mit den Begriffen Ehre und Überzeugng verbindet..." rein theoretisch, versteht sich.

Nikolai Iwanowitsch Turgenjew, Wirklicher Staatsrat   (1789-1871)


Der Sohn des Direktors der Universität Moskau besucht 1810 mit seinem Bruder Alexander die Universität von Göttingen und wird 1813 Mitarbeiter des Freiherrn von Stein. Dieser sagte einmal, dass ihm der Name von Nikolai Turgenjew gleichbedeutend mit den Begriffen Anstand und Ehre sei. 1816 kehrt N.I. Turgenjew nach Russland zurück, präsentiert eine Arbeit zum Steuerrecht (und zur Abschaffung der Leibeigenschaft) und wird Mitbegründer des Rettungsbundes, einer Vorgänger-Organisation des Wohlfahrtsbundes. Er ist von 1819-24 Staatssekretär, Abteilungsleiter im Finanzministerium und begibt sich 1825 zur Kur ins Ausland. Nach den Ereignissen des 14. Dezember 1825 zieht er es vor, im Ausland zu bleiben und wird in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Freunde wie Freiherr von Stein und Alexander Humboldt setzen sich für ihn ein und plädierten dafür, das Urteil zu ignorieren. Kritik erfuhr er u.a. von N.A. Bestushew. Er wurde nach seinem Tod auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris beigesetzt.

Fjodor Fedorowitsch Wadkowsky, Fähnrich               (1800-1844)


Er stieß auf Geheiß Sergei Murawjows am 30 Dezember 1825 zu den Aufständischen des Tschernigower Regiments und verließ Wassilkow mit dem Auftrag, das 17. Jägerregiment herbeizuführen. Unterwegs wurde er aber verhaftet und zur Hauptwache nach Petersburg gebracht.

Fürst Sergei Grigorjewitsch Wolkonskij, General        (1788-1865) 

Die Reformbewegung in Russland hatte er sich eigentlich anders vorgestellt... und wurde zum Ahnen großer Männer seines Namens, die sich auf dem Gebiet der Kunst unsterbliche Verdienste erwarben.



"Teufel! Was ist das? WAS IST DAS?" schrie Kutusow mit vor Entsetzen verzerrtem Gesicht. Er gab dem Pferd die Sporen und sprengte heran. P.Pjotr ließ das Kreuz fallen, lief auf das Gerüst und blickte erst in das Loch und dann auf die drei baumelnden Schlingen. Nun begriff er es: Sie waren abgerissen. (...) Die nassen Schlingen hatten sich nicht ordentlich zuziehen lassen und waren von den Hälsen gerutscht. Nur zwei: Pestel und Bestushew hingen, aber Kachowskij, Rylejew und Murawjow waren abgerissen. Dort unten , im schwarzen Loch regten sich die schrecklichen, weißen Gestalten in weißen Totenhemden. (...) Die Musik verstummte. In der Stille erklang vom Menschenhaufen auf dem Trojizkij-Platze her ein Schreien und Kreischen: Eine Frau hatte einen Anfall bekommen. Und wieder ging durch die ganze Menge vom Platze bis zum Galgen das dumpfe Dröhnen des Entsetzens. Es schien: Nur noch einen Augenblick, und die Menschen ertragen es nicht; sie erschlagen die Henker und fegen den Galgen weg... (Auszug aus dem Roman "Der 14. Dezember" von D.S. Mereschkowskij in der Übersetzung von Alexander Eliasberg)


Ltn. Bestushew-Rjumin, Michail Pawlowitsch       (1801-1826)                

Skizze zum Verhör vor der Untersuchungskommission am 17. Dezember 1825 (Autor unbek.; es gibt Vermutungen darüber, dass W.F. Adlerberg oder A.A. Iwanowskij, Schiftführer der UK, Autor dieser Zeichnung sein könnte)

Der liebenswürdige und gesellige Leutnant Bestushew-Rjumin wurde von vielen Kameraden nicht ganz ernst genommen. Er galt allgemein als naiv und etwas einfältig. Anerkennung fand er durch Sergei Murawjow, der eine starke Neigung zu dem jungen Mann hatte, die aber von Bruder Matwei heftig kritisiert wurde.  Michail ging in den Salons der guten Gesellschaft ein und aus. Sein geselliges Wesen verschaffte ihm einige Sympathien. Diesen Umstand nutzte der  Führungstab des Südbundes der Dekabristen aus, um neue Mitstreiter anzuwerben. Er war dabei recht erfolgreich. Seine Erziehung erhielt Michael vornehmlich im Hause seines Vaters, Hofrat Pawel Bestushew-Rjumin, der über 641 Leibeigene verfügte. Die Lehrer des jungen Michail hießen u.a. Saint-Germain, Sonnenberg, Schramm, Rinardion, Mersljakow.  Als Sergei Murawjow-Apostol den Befehl gab, die Truppen der Dekabristen zu mobilisieren, eilte der getreue Leutnant Bestushew-Rjumin an seine Seite und war doch noch viel zu jung zum sterben... Er war mit der viel umworbenen Jekaterina Borosdina verlobt (war sie die "Nereide" Puschkins?). Ihre Hochzeit wurde  durch das Einschreiten Pawel Pestels aber verhindert...

Oberst Murawjow-Apostol, Sergei Iwanowitsch    (1795-1826)


Was wurde aus den Mannschaften, die unter dem Befehl Sergei Iwanowitsch Murawjow-Apostols am 1. Januar in Motilowka aufmarschierten und bei Kowalewka am 3. Januar 1826 geschlagen wurden? Es handelte sich dabei immerhin um eine kleine militärische Streitmacht von 926 Mann, darunter 13 Offiziere, 31 Unteroffiziere, 51 Militärmusiker, 800 Soldaten, 15 Hilfssoldaten und 16 Offiziersburschen. Sie wurden noch in Belaja Zerkow zu sechs Ausgleichskompanien aufgeteilt und im April in Richtung Kaukasus in Marsch gesetzt, wo sie im Juni dem Befehl von Generalmajor Peter Dmitrijewitsch Gortschakow unterstellt wurden. Darüber schrieb der verantwortliche Major Brosse in dem Dorf Michailowskoje einen Rapport an den Kommandeur des Kaukasischen Sonderkorps General Jermolow.

Literatur: Natan Edelmann "Apostol Sergei (ISBN 5-475-00088-3) Verlag Wagrius, Moskau, NA 2005, 349 Seiten

Oberleutnant Kachowskij, Peter Grigorjewitsch           (1798-1826)


Peter Kachowskij wurde nach dem mißglückten Aufstand am 15. Dezember in seiner Wohnung verhaftet. Es wäre seine Aufgabe am 14. Dezember eigentlich gewesen, Nikolai I. zu töten; er konnte sich dazu aber nicht entschließen. In diesem inneren Zwist empfand er das unbestimmte Verharren auf dem Senatsplatz als unerträglich. Zum Kämpfen ausgezogen, stand man in eisiger Kälte und wartete auf die erlösenden Kommandos. Statt ihrer kam aber der tapfere Graf Miloradowitsch daher und forderte alle Aufständischen auf, die Waffen niederzulegen, sich zu ergeben. Da drehte der unfertige junge Mann durch und schoß auf den Grafen, auch auf den Kommandeur des Grenadierregiments der Leibgarde Oberst Stürler sowie auf den Offizier der Suite Gastfer... Graf Miloradowitsch erlag dieser Verwundung nur wenige Stunden darauf. Hierfür konnte es nur eine Strafe geben! Dennoch wies Nikolai den Kommandantern der Peter-Paul-Festung an: "... Kachowskij besser als üblich zu behandeln, ihm Tee und dergleichen zu reichen, was immer er möchte, dies natürlich mit einer gebotenen Vorsicht. Er durfte sich sogar mit Rylejew treffen. Hegte Kachowskij etwa Hoffnungen, begnadigt zu werden? Seiner Hinrichtung stand er jedenfalls relativ fassungslos gegenüber...

Oberst Pestel, Pawel Iwanowitsch                       (1793-1826)


War der Dekabristenaufstand eine halb-deutsche Angelegenheit? Wohl kaum. Dennoch - so ganz ohne deutschen Einfluss ging es auch hier nicht ab. Die Mutter des führenden Kopfes im Geheimbund, des Strategen und Autoren der "Russischen Wahrheit", Elisaweta Iwanowna Pestel, war die Tochter einer bekannten sächsischen Modeschriftstellerin namens Krock. Hier verbrachte der junge Pestel auch einige Zeit seiner Kindheit - in der Südvorstadt Dresdens - unter der Obhut seiner Großmutter. Obwohl sein Vater, der bereits als 24-jähriger den Großvater als Direktor des Moskauer Postamtes abgelöst hatte, unter Paul I. in Ungnade fiel, bereitete man die Kinder auf eine Karriere im Staatsdienst vor. "Es gibt nichts schöneres im Leben, als all jenen Gutes zu tun, die von uns abhängig sind," war einer der Lieblingssprüche des Vaters Iwan Borissowitsch. Sein Sohn muss dies offenbar auf eigene Art interpretiert haben. Er erlebte früh, wie sein Vater unter Alexander I. erneut zu Amt und Würden kam, 1820 seinen Posten als Gouverneur von Sibirien aber wieder aufgeben muss und frühzeitig in Pension geht. Die Mutter fürchtet nichts so sehr, wie liberalen Geist. Was brachte den jungen Mann also dazu, grundlegende Reformen in Rußland anzustreben? Pawel Pestel galt bei seine Kameraden als gutmütiger und zuverlässiger Charakter, auf den man bauen konnte, weil er sein Wort nie brach, der aber eines auf den Tod nicht leiden konnte: jede Art von Bevormundung. Dies ging gar soweit, dass er manchmal recht stur sein konnte. Ansonsten war er stets ein großzügiger Gastgeber, der die Freunde gern zu sich einlud, um mit ihnen zu reden...  (Bild unten: Pestel liest aus der "Russischen Wahrheit")

Vincey

Bild unten: Rylejew, Kondratij Fedorowitsch  (Vincey)                           (1795-1826)

Abb.:unbek. Künstler um 1823

"Ein Traum, der mich der Zeit entrückte   und süße Hoffnung mir verlieh,     ein Bild, das mich zutiefst beglückte,    stieg auf in meiner Phantasie:          Am Himmel Petrograds, das eben   erwacht war, sah im Morgenlicht            ich Katharinas Schatten schweben    mit majestätischem Gesicht...          (Übertragung ins Deutsche von Martin Remané)

Es gab in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts einige Dichterpersönlichkeiten, denen man es zutraute, eine ähnliche Karriere zu machen und die vaterländische Poesie, die russische Sprache zu befruchten, wie Alexander Puschkin es gelang. Neben Lermontow und Jasykow fällt dabei auch der Name Rylejew. Alle drei starben jung - noch bevor sie ihr Werk beenden konnten. Jasykow erlag einer schweren Krankheit, Lermontow fiel im Duell - und Kondratij Rylejew wurde im Morgengrauen St. Peterburgs - am 13. Juli 1826 - zweimal gehängt...


Das Urteil in der 2. Kategorie lautete: Auflegen des Hauptes auf dem Schafott (bürgerlicher Tod) mit anschließender Zwangsarbeit auf Lebenszeit (wurde am 10. 07. 1826 auf 20 Jahre Zwangsarbeit gemildert)

Iwan Alexandrowitsch Annenkow, Leutnant                (1802-1878)


Nach der Urteilsverkündung waren er und Lunin in Zellen untergebracht, die auf einem Gang lagen und es gestatteten, dass sie sich laut miteinander unterhielten. Lunin versuchte, Iwan Annenkow die Richtigkeit seiner religiösen Überzeugungen klar zu machen. Dies gelang ihm aber nicht, denn Annenkow blieb ein unverbesserlicher Materialist. Als sie sich nichts mehr zu sagen hatten, spielten sie miteinander Schach...

Nikolai Wassiljewitsch Bassargin, Leutnant                 (1800-1861)

Der Schwager des großen Naturforschers, Chemikers und Entdeckers des Periodensystems der Elemente D.I. Mendelejew (1834-1907). B. kam im Dezember 1817 nach Moskau ohne feste Vorstellungen von seiner Zukunft. Über Vermittlung von A. Tjutschkow kommt er an die Ausbildungsstätte für Kolonnenführer des Generals N.N. Murawjow, zu der er 1859 interessante Erinnerungen notierte.

Nach seiner Ansiedlung heiratet er eine junge Frau. Die Ehe gestaltet sich dramatisch und endet mit dem Tod von Maria Jelissejewna. Auch die Kinder sterben sehr früh. 3 Jahre nach dem Tod seiner Frau heiratet er die Tochter des Direktors vom Gymnasium in Tobolsk und zieht mit ihr, da sie keine gemeinsamen Kinder haben, Polinka - die Tochter des Dekabristen Mosgalewskij auf. Sie wird später die Frau P.I. Mendelejews, eines weiteren Bruder von Olga Iwanowna, geb. Mendelejew, verehelichte Bassargin.

Michail Alexandrowitsch Bestushew, Stabshauptmann  (1800-1871)


Er "erfand" während der Einzelhaft ein Klopf-Alphabet, um sich schnell und effektiv mit seinem Bruder zu unterhalten; er hinterließ sehr aufschlussreiche Memoiren, u.a. die Erinnerungen an Rylejew und solche über die Zeit der Ansiedlung am Baikalsee.

Nikolai Alexandrowitsch Bestushew, Kapitänleutnant    (1791-1855)


... Sollte jetzt wirklich sein letztes Stündchen geschlagen haben? Er erinnert sich wieder, wie ihn Kondratij Rylejew nach dem Eintreffen auf dem Senatsplatz zur Seite gezogen hatte und ihm anvertraute:"Unsere Vorbestimmung wird sich nun erfüllen, unsere letzten Minuten sind bereits angebrochen, doch es sind die Minuten unserer Freiheit: wir haben sie geatmet - und ich gebe mein Leben gern dafür hin." Doch Nikolai Bestushew wollte noch nicht sterben. Er wollte in die Schweiz fliehen, um beim nächsten Mal - hoffentlich erfolgreicher - wieder zur Verfügung zu stehen. Die Organisation war doch so groß und würde Männer wie ihn sicher brauchen. Zuvor wollte er sich nur noch von seiner Familie verabschieden und den Farbkasten holen. Ohne seine Farben würde er nirgendwo hingehen - aLs ob er schon ahnte, dass sie ihn unsterblich machen...

(Die Texte zu den Namen stammen aus: "Vincey's Dekabristenlexikon")

Abb. um 1900

So könnte das Anwesen der Brüder Bestushew in Selenginsk/Baikalsee ausgesehen haben.  In dem kleineren Haus arbeitete und starb Nikolai A. Bestushew, nachdem er die gesamte "bessere Gesellschaft" zwischen Irkutsk und Kjachta portraitiert hatte, denn er war als vorzüglicher Portraitist sehr gefragt; besonders interessant sind seine Kinderportraits! Die eigenen, in Sibirien geborenen Kinder Alexei und Jekaterina, lebten nach dem Tod der Eltern im Haus des Kaufmanns Starzew, dessen Namen sie auch übernahmen, um nicht als Staatsverbrecher zu gelten. Sohn Alexei (s. Foto unten) wurde Kaufmann der 1. Gilde und ist noch heute eine Legende in Sibirien. Seine 3 Söhne führten das Handelshaus A.D. Strazew weiter, wurden nach der Oktoberrevolution enteignet und zwei von ihnen 1937 nach längerer Haft erschossen. Alexander Alexejewitsch hinterließ zwei Söhne. Deren Großonkel Nikolai hatte ebenfalls 2 Söhne; somit hat Nikolai Bestushew mindestens 4 Urenkel.

Der Sohn des Dekabristen: A.D. Starzew um 1890

Peter Fedorowitsch Gromnitzky, Leutnant                   (1803-1851)


Alexander Nikititsch Frolow, Leutnant                         (1804-1885)     


Er stammt aus einer Familie des Militäradels von Sewastopol, bat 1840 um seine Versetzung als Soldat in den Kaukasus und kommt erst nach der Amnestie wieder in die Heimat (lebt bis 1872 in Kertsch und stirbt in Moskau). Sein Sohn Peter (geb. im Oktober 1852) wird im Jahr 1916 als Infanteriegeneral dem Generalstab Nikolai II. angehören und den Niedergang der Romanows miterleben.

Wassili Petrowitsch Iwaschew, Rittmeister                   (1797-1840)


Einer von denen, welche die Haftbedingungen in Sibirien kaum zu ertragen vermochten, war Wassili Iwaschew. Flucht schien ihm die einzige Möglichkeit, der eigenen menschlichen Katastrophe zu entkommen. Dies sagte er auch den Kameraden. Am nächsten Tag wurde er zum Kommandanten des Gefängisses geführt. Hatte man ihn verraten? Nein. Man teilte ihm lediglich mit, dass die Verlobte Kamilla gekommen sei, um sein Schicksal zu teilen. Dies rettete ihm das Leben.

Iwan Wassiljewitsch Kirejew, Fähnrich                        (1803-1866)


Alexander Alexandrowitsch Krjukow, Leutnant             (1793-1866)


Nikolai Alexandrowitsch Krjukow, Leutnant                 (1800-1854)




Oberstleutnant und Veteran der Schlacht bei Austerlitz, Held des Vaterländischen Krieges 1812/13, Teilnehmer der Völkerschlacht bei Leipzig

Begründung des Urteils: Planung und Billigung des Zarenmords, Aufnahme neuer Mitglieder in den Geheimbund sowie Verbreitung dessen Gedankenguts mittels einer Druckpresse.


Literatur: N. Edelmann "Lunin" 410 Seiten (ISBN 5-475-00047-6), 2004        S. B. Okun "Dekabrist M.S. Lunin" , Leningrad 1962                            Hippolyte Auger "Aus meinenAufzeichnungen", Russ. Archiv 1877               B. G. Kubalow "Dekabrist M.S.Lunin w Sibiri", Irkutsk 1925                        D. I. Sawalischin "Dekabrist M.S. Lunin" Istor. Westnik 1880

Foto unten: Apelstein in Leipzig-Liebertwolkwitz aus dem Jahr 1863, jenem Ort, an dem auch Michail Lunin in Oktober 1813 kämpfte

Foto: M. Geisler, 2008

Michail Lunin galt bis 1820 in Rußland als Abenteurer und Duellant. Darüber befragt, was ihn dazu treibt, ständig Ruf und Leben zu riskieren, antwortete er: "Ich habe es mir zum Grundsatz gemacht, stets die gleiche Anzahl von Duellen zu haben, wie ich Eroberungen beim schönen Geschlecht mache; immer wenn es mir gelang, eine Dame zu erobern, suchte ich nach einer Gelegenheit zu einem Duell..."
Zitiert aus N. Edelmann "Bolschoi Jannot"

Michail Fotijewitsch Mitkow, Oberst                             (1791-1841)


Wassili Sergejewitsch Norow, Oberstleutnant                (1793-1853)  


- sein Urteil wurde zwar auf 15 Jahre Zwangsarbeit geändert, doch kam er am 12. 10. 1826 auf unbestimmte Frist in die Festung Bobruisk, da er einer der eifrigsten Verfechter der sog. Bobruisker Verschwörung war, bei der Alexander I. getötet werden sollte. Wie groß die Liebe zu Nikolai Pawlowitsch war, kann man nach Lektüre der Erinerungen von Prof. A.W. Nikitenko nur erahnen. Im Februar 1835 wurde er als Soldat in den Kaukasus geschickt, zeichnete sich bei Varna aus und wurde im Januar 1838 auf Bitte seiner Mutter als Uffz. entlassen. 1841 zog er nach Reval, wo er auch starb.

Peter Nikolajewitsch Swistunow, Kornett                      (1803-1889)


Alexei Iwanowitsch Tjutschew, Hauptmann                   (1802-1856)


Konstantin Petrowitsch Torson, Kapitänleutnant            (1793-1851)  Weltumsegler



Er stand in einem sehr engen freundschaftlichen Verhältnis zu den Brüdern Bestushew und lebte wie sie zur Ansiedlung in Selenginsk. Nach seinem Tod geriet sein schriftlicher Nachlass in den Besitz des Baron von Rosen.

Christin Ferdinand Wolff, Stabsarzt                              (1797-1854)



Lebenslange Zwangsarbeit (gemildert auf 20 Jahre per 10. Juli 1826)

Kopie von Dawydow nach einem verloren gegangenen Bild von N. Bestushew

Das eigens für die Dekabristen erbaute Zuchthaus von Petrowskij-Sawod, in welches die Häftlinge im September 1830 verlegt wurden

Gawrila Stepanowitsch Batenkow, Oberst                    (1793-1863)     20 Jahre Einzelhaft

Vincey

Eigentlich wollte er im Sommer 1821 heiraten, doch plötzlich wird er nach Petersburg versetzt, um den Vorsitz des von Speranskij gegründeten Sibirischen Komitees zu übernehmen. Die Arbeit gestattet ihm weder Ausflüge noch Urlaub. Die Hochzeit wird auf einen unbestimmten Termin verschoben. Nirgendwo vergeht Zeit so schnell, wie in der Pflicht, der man sich von Herz und Seele widmet. Um so schneller, wenn man unter einem Vorgesetzten wie Araktschejew arbeitet. Die freien Minuten verbringt Gawriil mit Menschen, die den Mißständen im Land ein Ende setzen wollen. Er wird 1825 Mitglied des Nordbundes und nach dem 14.12.1825 inhaftiert. Es vergehen 20 Jahre. "Wo steckt eigentlich dieser Batenkow?" fragt Nikolai I. eines Tages. Keiner weiß es. Man hat ihn vergessen. Nach langer Suche findet man ihn in einer Zelle der Peter-Pauls-Festung. Er galt bis dahin als "geheimer Häftling". Da stellt man keine Fragen... Keiner wusste seinen Namen - und Batenkow kann selbst nicht sprechen, als man ihn aus der Zelle beftreit. Nikolai ist erschüttert. Wie konnte das pasieren? "Versorgt ihn mit allem, was er braucht!" ordnet der Zar an. Dann reist Gawriil Stepanowitsch wieder nach Tomsk, in seine sibirische Heimat, um hier zu wohnen -  mit Genehmigung des Zaren. Polina, seine Braut, hielt ihn für tot. Sie hatte geheiratet, bekam Kinder und wurde Witwe. Nun hat sie ihren alten Freund wieder. Ein Paar werden aber sie nie...

Baron Wladimir Iwanowitsch Steinheil, Oberstleutnant a.D.       (1783-1862)



15 Jahre Zwangsarbeit und anschließende Verbannung/Ansiedlung in Sibirien (gemildert per 10.07. 1826 auf 12 Jahre mit Verbannung)  Er stieß erst wenige Tage vor dem Aufstand über K.F. Rylejew zu den Mitgliedern des Nordbundes, nahm täglich an deren Sitzungebn teil und war Mitautor des "Manifestes an das russische Volk", Autor vom Befehl an die Truppen.

Nach der Amnestie in den 50-er Jahren

Pawel Wassiljewitsch Awramow, Oberst                  (1790/91 - 1836)


Alexander Petrowitsch Beljajew, Midshipmann               (1803 - 1887)


Die Brüder Beljajew versuchten nach ihrer Ansiedlung alles, um irgendwie Geld zu verdienen. Über Fischfang und Viehzucht gelang es ihnen, sich einen mäßigen Wohlstand zu schaffen und Peter schließlich, eine eigene Reederei zu betreiben. Und irgendwie wirkt er auch hanseatisch. Bruder Alexander ging in den Kaukasus, um dort die christlichen Werte zu verteidigen.

Peter Petrowitsch Beljajew, Midshipmann                      (1805 - 1864)


Pawel Sergejewitsch Bobristschew-Puschkin, Oberleutnant (1802-65)

Zeichnung: Vincey

Nach seiner Ansiedlung in West-Sibirien begann Bobristschew-Puschkin mit der Übersetzung der "Gedanken" des Pascal, die unter Mithilfe von I. Pustschin und Jakubowitsch. Kurz vor Beendigung des Manuskriptes reichte ein anderer Übersetzer eine gleichartige Arbeit ein, dessen Werk von der Zensur auch genehmigt wurde. Davon konnten die Dekabristen nichts wissen.. Und so zerschlug sich auch diese Hoffnung, dem Weiterleben einen Sinn zu geben.

Literatur zur Familie Bobristschew-Puschkin:                                 Valentina Kolesnikowa "Gonimye i neisgnannye", Das Schicksal der Dekabristen-Brüder Bobristschew-Puschkin (ISBN 5-227-01794-8)

Peter Ivanovitsch Fallenberg, Oberst                           (1791 - 1873)


Ilja Iwanowitsch Iwanow, Buchhalter                           (1800 - 1838)


Sekretär der "Gesellschaft der Vereinigten Slawen"

Alexander Ossipowitsch Kornilovic, Hauptmann             (1800 - 1834)

Durch eine Verleumdung W.F. Bulgarins geriet er 1829 erneut in das Verlies der Peter-Pauls-Festung. Man warf ihm vor, Staatsgeheimnisse an Österreich verraten zu haben. Die Anklage mußte fallen gelassen werden, doch schickte man ihn 1832 als Soldaten in den Kaukasus, wo er 1834 an einem Fieber erkrankte und starb. Er hzinterließ interessante Gedanken über den russischen Staat, dessen Struktur und Wirtschaft, auch über die Zustände in Tschita. Als Autor publizierte er sogar während seiner neuerlichen Haft in der P.-Pauls-Festung - freilich unter Pseudonym - und darf unter den Dekabristen als Literat gelten.

A.O. Kornilowitsch zu Beginn der 30-er Jahre

Nikolai Iwanowitsch Lorer, Major                                 (1798 - 1873)


Er wuchs in der Familie des Komödiendichters W. Kapnist auf, dessen Sohn mit der Schwester von Sergei Murawjow-Apostol verheiratet war.    In der  Geheim-Gesellschaft zählte er zu den Vertrauten Pawel Pestels und lernte nach seiner Versetzung als Soldat in den Kaukasus Lew Puschkin und Michail Lermontow kennen. Seine Erinnerungen sind in vieler Hinsicht von Interesse und bilden neben jenen des Baron von Rosen und von Michail Bestushew den Kern meines Bandes "Erinnerungen der Dekabristen", den man sich ab 2911 bestellen kann.

Peter Alexandrowitsch Muchanow, Stabs-Hptm.           (1799 - 1854)

Er entstammt einem alten tatarischen Fürsten-Geschlecht, das unter Iwan IV. russifiziert wurde. Verlobter von Fürstin Warwara Schachowskaja. Auf die Nachdricht, dass die Heirat von höchster Stelle nicht gebilligt wird, antwortete er mit einem Satz: "Es bricht mir das Herz." Seine Braut starb 1836 auf der Krim (in Simferopol), Schwester Elisabeth verschied im selben Jahr. M. fragte sich daraufhin, was er nun noch tun soll, ein Haus bauen oder ein Grab ausheben? Er entschied sich für ein Gedicht, blieb aber ein gebrochener Mann.


Alexander Michailowitsch Murawjow, Kornett               (1802 - 1853)

a.d.1833

Ich würde gar zu gern wissen, warum er sich 1841 derart aufgeregt hat, als sein Bruder eine Affaire mit der Tante seiner Frau begann. Er warf sie nämlich kurzerhand vor die Tür, doch zum Glück konnte sie (Karoline Karlowna) bei den Trubetzkois unterkommen.

Fürst Alexander Iwanowitsch Odojewskij, Kornett        (1802 - 1839)


Wie groß die Liebe seines Vaters zu ihm war, konnte man daran sehen, daß jener nach Sibirien reiste, um den Sohn auf dessen Weg zum Kaukasus ein Stück zu begleiten. Als er schon glaubte, daß sie sich trennen müssen, erfuhr Viktor Odojewskij, dass er noch bis zur nächsten Station bei diesem bleiben könne. Der alte Man brach zusammen und stammelte unter Tränen: "Was für ein Glück... Ich darf noch etwas bei ihm bleiben.."

Joseph Viktorowitsch Poggio, Staps-Hptm.                   (1792 - 1848)


Die Geschichte seiner Liebe zu Maria Borosdina liest sich wie eine verschärfte Version von "Romeo und Julia". Sie heiratet nach vielen Leiden und Täuschungen den Fürsten A.I. Gagarin, welcher als Generalgouverneur von Kutaisi a.d. 1857 vom swanetischen Fürsten Konstantin Dadeschkiliani umgebrcht wird, und Joseph stirbt im Haus der Familie Wolkonsky, ohne Frau und Kinder je wiedergesehen zu haben. Der Taufpate von Sohn Leo (geb. 1826) war General N.N. Rajewskij d.ä.

Iwan Fedorowitsch Schimkow, Unterleutnant            (1803/04 - 1836)


Michail Alexandrowitsch von Wisin, Generalmajor a.D.   (1787-1854)


Er gehört der Generation Michail Lunins an und war an allen wichtigen Schlachten seit Austerlitz beteiligt. Er nahm als Adjutant des Brigadekommandanten Jermolow auch am Nordischen Krieg teil und kämpfte u.a. bei den Aaland-Inseln, eroberte quasi jene Gebiete, welche seinen Kameraden später als Kerkerorte dienten. Mit 26 Jahren zum Oberst befördert, erlangte er 1820 den Rang eines Generalmajors. Er wohnte nach seinem Abschied vom Militärdienst auf einem Anwesen bei Moskau (er besaß ca. 2000 Leibeigene). In Jalutorowsk gehörte er nach Verbuessung der Zwangsarbeit zu den Befuerwortern des Schulprojektes von I.D. Jakuschkin.


10 Jahre Zwangsarbeit mit anschliessender Verbannung/Ansiedlung in Sibirien (gemildert per 10. 07. 1826 auf 8 Jahre Zwangsarbeit mit Verbannung)

Michail Andrejewitsch Bodisko, Midshipmann                 (1803 - 1867)


Michail Nikolajewitsch Glebow, Kollegialsekretär             (1804 - 1851)


Er gehörte keinem der Geheimbünde an, stellte sich am 14. Dezember aber demonstrativ an die Seite der Aufständischen auf dem Senatsplatz und kassierte dafür 6 Jahre Zwangsarbeit in Sibirien.

Michail Karlowitsch Küchelbecker, Leutnant                (1798 - 1859)


Nikolai Petrowitsch Repin, Stabs-Hptm.                        (1796 - 1831)


Baron Andreas von Rosen, Oberleutnant                      (1798 - 1884)


Im Jahr 1877 erschien in Riga zum Andenken an seinen Vater das Buch "Die sechs Decennien meines Lebens" von Eugenius Baron von Rosen, herausgegeben von Andreas Baron von Rosen, was beweist, dass den Dekabristen nicht nur an der Würdigung des eigenen Lebens lag. Für mich ist es eine von vielen glücklichen Fügungen, die mir erlauben, das Wirken dieser edlen Familie von 1670 bis 1914 verfolgen zu können.


6 Jahre Zwangsarbeit

Julian Kasimirowicz Ljubinskij                                    (1798 - 1873)


Mitbegründer der "Gesellschaft  vereinigter Slawen". Sein Leben steht für die reformbegeisterte Studentenjugend zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Mitglied der Schlachta, ausgebildet zu Hause und an diversen schulischen Einrichtungen, beginnt er als Externer ein Studium für Verwaltungsrecht und arbeitet als Assessor in der Kanzlei der Universität von Wilno. Bereits 1821 wegen des Verdachts konspirativer Tätigkeit verhaftet, steht er unter polizeilicher Beobachtung. Er wird schliesslich zu 3 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und kommt von Tschita aus 1829 in die Festung von Tunkinsk. Hier lernt er seine künftige Frau kennen, zeugt 5 Kinder und schreibt seine Erinnerungen, die leider verschollen sind... 

Alexander Nikolajewitsch Murawjow, Oberst                (1792 - 1863)

Der Herrscher änderte auf Intervention der Familie das Urteil in "Versetzung nach Sibirien" ohne Verlust von Adel und Rang. Seine Gattin, eine geb. Fürstin Schachowskoi, begleitete A.N. Murawjow mit ihren Kindern und der Schwester nach Jakutsk. Ein Jahr später war M. Polizeimeister in Irkutsk, einige Jahre später Präsident der Gouvernementsreg. und schließlich Gouverneur von Tobolsk. Dies war ein Segen - nicht nur für die Dekabristen.


 Verurteilte nach der 7. Kategorie:

Vier Jahre Zwangsarbeit (gemildert am 10. 07. 1826 auf 2 Jahre)

Sein Grabstein (rechts)im Park des Neuen Jungfrauenklosters Moskau (Juni 2013)
Foto: Vincey

Iwan Borissowitsch Awramow, Oberleutnant          (1802 - 1840)


Alexander Karlowitsch Berstel, Oberstleutnant       (1788 - 1830)

Alexander Fedorowitsch von der Brüggen, Oberst (1792 - 1851)


Graf Nikolai Jakowlewitsch Bulgari, Oberleutnant    (1805 - 1841)

Andrei Wassiljewitsch Jentalzew, Oberstleutnant   (1788 - 1845)


Sergei Iwanowitsch Kriwzow, Leutnant                 (1802 - 1864)


Wladimir Nikolajewitsch Licharjow, Leutnant        (1803 - 1840)


Nikolai Fedorowitsch Lissowskij, Oberleutnant       (1802 - 1844)


Iwan Jurjewitsch Poliwanow, Oberst                (1798/99 - 1826)

Nikolai Alexandrowitsch Sagoretzky, Oberleutnant (1797 - 1885)


Baron Wilhelm-Siegismund von Tiesenhausen, Oberst  (1779/80 - 1857)

Nach der Ansiedlung in Jalutorowsk baute T. ein großes Holzhaus, um es zu vermieten, doch brannte es nach Fertigstellung ab. Einige behaupteten, ein Arbeiter hätte dies aus Bosheit getan. Auch die beiden Folgeversuche brachten ihm ausser Arbeit und verkohlten Stämmen nichts ein. So begnügte er sich mit einer Hütte, züchtete Beeren und genoss nach 28 Jahren der Abwesenheit den Moment des Wiedersehens mit seiner Familie, die all die Jahre auf ihn gewartet hat und erwirkte, dass er schon (!) 1853 amnestiert wurde. Er galt zuvor, als er das Poltawaer Regiment kommandierte - vor seiner Verhaftung im Jahr 1826 - als Leuteschinder, verfügte keineswgs über die guten charakterlichen Eigenschaften, die führenden Dekabristen gern nachgesagt werden. Ein solcher war er ja auch nicht, denn er verhinderte es, dass sein Regiment die Festung Bobruisk in Besitz nahm, lieferte zwei Mitglieder der Gesellschaft (Trussow und Trotzkij) gnadenlos der Militärpolizei aus.

Wladimir Sergejewitsch Tolstoi, Unterleutnant                  (1806 - 1888)

Baron Alexei Iwanowitsch Tscherkassow, Oberleutnant     (1799 - 1855)

Er gehört zum Kreis der Offiziere um Pestel in Tultschin, kam nach Verbüßung der Zwangsarbeit über Jalutorowsk 1837 als Soldat zum Kaukasuskorps, wo er sich bis 1842 zum Fähnrich hinaufdiente und seinen Abschied vom Militär nahm. 

Graf Zacharias Grig. Tscherrnytschew, Rittmeister            (1797 - 1862)

Er "durfte" bereits 1829 zum Kaukasuskorps, wurde dort 1834 Leutnant und nahm bald darauf seinen Abschied, um mit Gattin bei seiner Schwester zu leben (Tula). Er starb 1862 in Rom, wohin er sich mit Familie 1856 begab, nachdem er rehabilitiert wurde und den Grafentitel zurück bekam. Wie seine Schwester Alexandrine, verh. mit Nikita Murawjow, stammte auch er aus der Gegend von Nowgorod...

Pawel Fomitsch Wygodowskij, Kanzleischreiber                 (1802 - 1881)


Verbannung/Ansiedlung in Sibirien mit Verlust des Adels und aller Ränge

Andrei Nikolajewitsch Andrejew, Leutnant                   (1803/04 - 1831)


Boris Andrejewitsch Bodisko, Gardeleutnant                     (1800 - 1828)

Nikolai Sergejwitsch Borbistschew-Puschkin, Oltn.           (1800 - 1871)


Andrei Fedorowitsch Fuhrmann, Hauptmann                     (1795 - 1835)

Fürst Valerian Michailowitsch Golizyn, Titularrat               (1803 - 1859)

Semjon Grigorwejitsch Krasnokutskij, Staatsrat           (1787/88 - 1840)

unbekannter Maler

K. gehörte zum "Organisationskommitee" des Aufstandes vom 14. Dezember 1825, das am Vorabend bei K. Rylejew tagte.

Nikolai Ossipowitsch Mosgalewskij, Leutnant                   (1801 - 1844)


Michail Alexandrowitsch Nasimow, Stabshauptmann          (1801 - 1888)


Fürst Fjodor Petrowitsch Schachowskoi, Major a.D.          (1796 - 1829)

Der "Tiger", wie ihn Sergei Murawjow-Apostol nannte, hatte sich schon lange vor dem Ereignis des 14. Dezember 1825 vom Geheimbund distanziert, da ihm zu viel geredet und zu wenig gehandelt wurde. Er war einer der Gründer des Wohlfahrtsbundes und leitete eine Filiale in Moskau. 1819 heiratete er die Fürstin Natalja Stscherbatow. Als man ihn im März vor die Untersuchungs-Kommission zitierte, gab er (ähnlich wie Michail Lunin) zu, dass er keinen Moment gezögert hätte, in Russland für bessere Verhältnisse zu sorgen und dafür ein Verbrechen zu begehen. In der Verbannung erkrankte er psychisch, wurde in Susdal behandelt und starb dort. Sein Enkel Dmitrij Iwanowitsch (geb. 1869) war 1917 Minister und Mitglied der Provisorischen Regierung. Nach eigener Aussage, hat es ihn sein Leben lang begleitet, Enkel eines Dekabristen zu sein.

Andrei Iwanowitsch Schachyrjow, Oberleutnant                (1729 - 1828)

Nikolai Alexejewitsch Tschishow, Marineleutnant              ( 1803 - 1848)

Iwan Fedorowitsch Voigt, Stabshauptmann                       (1794 - 1842)

Apollon Wassiljewitsch Wedenjapin, Leutnant                  (1803 - 1872)

Wassilij Iwanowitsch Wranitzky, Oberst                      (1785/86 - 1832)


Verbannung/Ansiedlung in Sibirien mit Verlust des Adels bei der Möglichkeit zur Rehabilitierung (gemildert am 10.07. 1826 auf 'Verschickung als Soldat in die entferntesten Regionen des russischen Imperiums') 

Graf Peter Petrowitsch Konownitzyn, Leutnant                (1803 - 1830)


Seine Schwester war mit dem Dekabristen N.N. Naryschkin verheiratet. die ihrem Mann nach Sibirien und in den Kaukasus folgte, bevor sie 1856 nach Rußland zurückkehren konnten. Er selbst starb als Fähnrich in Wladikawkas an Cholera. Sein Tod wurde von A.I. Odojewskij dichterisch besungen. Am Aufstand war er nicht beteiligt. Er wurde am 19. Dezember zur Hauptwache von St. Petersburg gebracht, weil er Mitglied des Nordbundes war, am 28.12. nach Kronstadt verlegt und ab 10. Februar 1826 in der Peter-Pauls-Festung verwahrt. Sein Vater war der 1822 verstorbene Kriegsminister Graf P.P. Konownizyn.

Niel Pawlowitsch Koshewnikow, Leutnant                        (1804 - 1837)

Nikolai Nikolajewitsch Orshitzkij, Stabsrittmeister             (1796 - 1861)


Degradierung zum Soldaten und Verlust des Adels bei der Möglichkeit zur Rehabilitierung (gemildert am 10.06. 1826 auf 'Degradierung zum Soldaten mit Einsatz im Kaukasus ohne Verlust des Adels')

Ilja Iwanowitsch Iwanow, Buchhalter                              (1800 - 1838)


Michail Iwanowitsch Pustschin, Garde-Hauptmann/Pionier  (1800 - 1869)

Das "Verbrechen" von M.I. Pustschin bestand neben dem Umstand, Mitglied des "Heiligen Artels" gewesen zu sein u.a. darin, am Vorabend des Putsches vom 14. Dezember 1825 Rylejew besucht zu haben. Die Kommandierung des umsichtigen jungen Mannes in den Kaukasus (Oktober 1826) zahlte sich aus. Nach der Eroberung Jerewans am 1.10. 1827 wurde der zum Soldaten degradierte Spezialist für Belagerungstaktik zum Uffz. ernannt - mit der Auflage, sich auf die Befugnisse eines Korporals zu beschränken.

Paskewitsch, der die Erstürmung Jerewans komplett verschlafen hatte, wurde fürstlich belohnt - mit der Grafschaft Jerewan...  Er wusste, wem er den Grafentitel zu verdanken hatte und verwendete sich für Michail I. Pustschin beim Zaren. Die Hoffnungen auf Rehabilitation zerschlugen sich aber. M.I. Pustschin wurde per Befehl vom 18.03.1828 lediglich zum Fähnrich befördert. Während seines aktiven Dienstes bei der Armee schaffte er es noch, sich bis zum Oberleutnant hochzudienen, doch erst am 27. Juli 1857 wurde er vom neuen Zaren Alexander II. in seinem Rang als Hauptmann der Garde rehabilitiert.



Degradierung zum Soldaten ohne Verlust des Adels bei der Möglichkeit zur Rehabilitierung (gemildert am 10.07. 1826 auf 'Abkommandierung in die entferntesten Garnisonen des russischen Imperiums ohne Verlust von Adel und Rang)

Peter Alexandrowitsch Bestushew, Midship-Mann          (1804 - 1840)

Er wurde beim Sturm auf Achalzych an der linken Hand verletzt und nach dem Skandal um die Frühstücksrunde bei General Rajewskij in eine Festung zum Strafexerzieren versetzt, obwohl er noch nicht genesen war und Anzeichen psychischer Störung vorwies. Hier bekam er den Rest, wurde - inzwischen total geistig gestört - entlassen und von seiner Mutter bis kurz vor seinen Tod gepflegt. Bevor er erkrankte, hinterliess er uns noch seine schriftlichen Aufzeichnungen, die beweisen, dass er über ein beachtliches literarisches Talent verfügte, das bis dato zu wenig Würdigung findet.

"Während wir den Launen unseres neuen Regimentskommandeurs ausgeliefert waren, Oberst Borodin, einem Original, das immer noch glaubt, im vorigen Jahrhundert zu leben, dabei ebenso grenzenlos gewinnsüchtig wie geizig ist und eitel, dass es aller Beschreibung spottet, ohne eine Vorstellung davon zu besitzen, dass es auch höhere, feinere Empfindungen gibt, rückten wir ab und mussten uns während des gesamten Feldzuges schinden... Zum ersten Mal erlebte ich den Frühling in Georgien, in Samchetien genauer gesagt, weil wir dort gerade durchkamen;es gilt nach Kachetien als eine der schönsten Gegenden (des Kaukasus). Was für faszinierende Orte! Es ist kein Wunder, dass die Poeten ob der hiesigen Landschaft voll des Entzückens sind..."


Alexander Alexandrowitsch von Fock, Leutnant           (1803/04 - 54)

Michail Demjanowitsch Lappa, Leutnant                       (1800 - 1841)

Ephaphrodit Stepanowitsch Mussin-Puschkin, Leutnant (1791 - 1831)


Er war Teilnehmer des Aufstandes vom 14. Dezember 1825 auf dem Senatsplatz in St. Petersburg, ohne Mitglied der Geheimorganisation zu sein. Verhaftet wurde er am 15. 12. 1825 durch den Großfürsten Michail Pawlowitsch in der Kaserne der Garde. Auf Befehl vom 22. August 1826 wurde er als Soldat in den Kaukasus versetzt.

Nikolai Pawlowitsch Okulow, Leutnant                      (1797 - 1845/46)

Alexei Wassiljewitsch Wedenjapin, Unterleutnant          (1804 - 1847)



Mitglied der "Gesellschaft Vereinigter Slawen". Mit Erlass vom 22. August 1828 wurde er als Soldat in den Kaukasus versetzt, wo er sich schnell wieder zum Unteroffizier hinauf arbeitete, als tadelloser Soldat galt und 1833 seinen Dienst quittieren durfte.

Fjodor Gawrilowitsch Wischnewsky, Leutnant           (1798/99 - 1865)

Nikolai Romanowitsch Zebrikow, Leutnant                    (1800 - 1866)

1858 besucht er die Schwester Kondratij Rylejews, die sich seit der Hinrichtung ihres Bruders Anna F. Krylowa nennt und davon lebt, dass sie Sprach- und Klavier- Unterricht gibt. Sie liegt bereits im Sterben.

Die Geschichte seiner Verurteilung erscheint nahezu unglaublich. Als er am Morgen des 14. Dezember 1825 sah, dass die Gardebesatzung, in der sein Bruder diente, am Senatsplatz aufmarschiert, rief er: "Was treibt ihr da zum Teufel, ihr Carbonari?!" Dies hörte ein Streifenpolizist und zeigte ihn an, gerufen zu haben: "Bildet ein Carrée gegenüber der Kavallerie!" Er wurde vor die UK geladen, empörte sich zu Recht und stellte den richtigen Sachverhalt klar. Dies wurde ihm als Dreistigkeit ausgelegt, und um vor ähnlichen Fällen "schändlichen Verhaltens" zu warnen, erhöhte man die Strafe über das Maß der 11. Kategorie hinaus, d.h. es war ihm nicht gestattet, seine Zeit beim Militär abzudienen und weiterhin dem Adel anzugehören. Er kämpfte im Kaukasus, wurde erst 1838 Fähnrich und starb 1866 in Petersburg. Es gibt aber noch eine andere Version (s. Die Erinnerungen Lorers).



Alexander Semjonowitsch Gorozhanskij, Leutnant des Chevalegarde-Regiments, hate sich am 19. Dezember freiwillig gestellt, wurde am 29. 12. 1825 aber  erneut (und trotz Geständdnis!) verhaftet, dann ohne Gerichtsverhandlung zu 4 Jahren Haft in der Festung verurteilt, am 7.7. 1830 in die Garnison von Orenburg versetzt und dort wegen wiederholter "Unverbesserlichkeit" am 18.12. 1830 auf die Solowjetzkij-Insel verbannt, wo er psychisch erkrankte und eine Wache erdolchte. Trotz mehrfacher Bitten der Mutter, entließ man den psychisch schwer Gestörten nicht mehr in eine Nervenheilanstalt.

Demjan Alexandrowitsch Iskritzkij, Gardeleutnant        (1803 - 1831)


6 Monate Festungshaft (zzgl. U-Haft) mit anschließender Versetzung nach Orenburg und in den Kaukasus (42. Jägerregiment), Teilnehmer des russisch-türkischen Krieges von 1828/29. Mitglied des Hl. Artels und Freund von Alexander Bestushew. 

Andrei Lwowitsch Koshewnikow, Leutnant                    (1802 - 1867)

6 Monate Festungshaft (zzgl. U-Haft) mit anschließender Versetzung nach Sibirien ohne Verlust von Adel und Rang




Er gilt als jüngster Teilnehmer des Aufstands und wurde wegen Aufruhr, Beleidigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt zu lebenslanger Zwangsarbeit nach Sibirien verurteilt, versuchte, sich auf dem Transport dorthin dieser Strafe zu entziehen, was ihm bis 1830 gelang, wurde dann aber gefasst, kam zu den Erzminen von Nertschinsk. Hier floh er erneut, wurde erneut gefasst und bis April 1850 inhaftiert (angekettet). Danach durfte er sich in Sibirien ansiedeln und wurde von seiner Familie umsorgt.


Sekretär des Wohlfahrtsbundes 1819/20



Der Absolvent der Moskauer Universität (Magister für Politwissenschaften) wurde nach seinen Aussagen vor der UK zum Dienst als Beamter nach Sibirien geschickt, wo er sich bis 1842 zum Berater der Gouvernementsregierung von West-Sibirien hinauf arbeitete. Er hatte u.a. Kontakt zu I. Pustschin, durfte sich mit ihm aber nicht treffen.

Peter Pawlowitsch Titow, Oberleutnant                           (1800 - 1878)

Mitglied des Nordbundes seit 1824

Der Adjutant des Oberkommandierenden der 1. Armee wurde nach seiner Festungshaft am 07.07. 1826 in den Kaukasus nach Wladikawkas versetzt, zeichnete sich später bei Varna aus, nachdem er gegen die Perser und Türken gekämpft hatte und wurde von Nikolai I. mit dem Annen-Orden am Band ausgezeichnet.



Es war einmal...

Er gehörte der patriotischen polnischen Organisation "Gesellschaft Vereinigter Slawen" an, galt ab Herbst 1822 als deren eigentliches Haupt und wurde am 20. Februar 1826 zusammen mit anderen Kameraden in Warschau verhaftet. Das polnische Gericht verurteilte ihn zu 3 Jahren und 3 Monaten Haft; da er aber gebürtiger Ukrainer war, lieferte man ihn vor Urteilsverkündung im Fall der Dekabristen an Nikolai Pawlowitsch aus. Er kam auf die Peter-Pauls-Festung und wurde 1830 in Berezow, später in Izhim angesiedelt. Die Lebensveränderungen wirkten sich katastrophal auf seine Gesundheit aus. Er erlitt einen Schlaganfall, kränkelte und starb in geistiger Umnachtung.


Einer der Getreuen von Sergei Murawjow-Apostol, der am 01. Januar 1826 in Kiew verhaftet wurde, nachdem er sich bemüht hatte, Verstärkung zu besorgen. Er mußte den Weg in die "ewige" Verbannung nach Sibirien im September 1826 zu Fuß bewältigen, benötigte für die Strecke von Kiew nach Tschita 5 Monate und 1 Woche. Er starb in Petrowsk.


Abb. Vincey

(1798 - 1866 oder 1871) Er war einer von den Offizieren, die zu ihrem Wort standen und ein besseres Rußland wollten. Die Abbildung zeigt einen Moment während der Haft im Gefängnis von Kromy (Gouv. Orlow)



Dieser Sohn eines Adligen aus dem Gebiet von Grodnensk kam 1819 als Junker zum Tschernigower Regiment, wo er später das Amt des Quartiermeisters übernahm. Während des Aufstandes kommandierte er die Avantgarde des Regiments auf dem Marsch von Wassilkow nach Mytnitza. Das Militärgericht der 1. Armee verurteilte ihn zum Tode durch Enthauptung. Per Beschluss vom 12. Juli 1826 wurde das Urteil in Degradierung zum Soldaten und Dienst in Sibirien geändert.  Kurze Zeit später kommt er zum Jägerregiment des Grafen Tschernyschew, wird Fähnrich und nimmt am russisch-persischen Krieg 1826-28 teil. Bei einem Gefecht gegen die Gorzen findet er im Jahr 1845 den Tod.

Von einer Militärkommission der 1. Armee wurden in Mogoljow zu lebenslanger Zwangsarbeit in der Festung Bobruisk verurteilt:

Oberleutnant Jemeljan N. Trotzkij

Leutnant Stepan Petrowitsch Trussow

3 Monate Festungshaft für:

Fähnrich Jakow Akimowitsch Dragomanow (Lyriker)

Fähnrich Dragomanow war Mitglied der "Gesellschaft Vereinigter Slawen" und warb die Offiziere Trussow und Trotzkij für den Südbund an. Gemeinsam gehörten sie zu dem von Oberst Tiesenhausen kommandierten Poltawaer Regiment, das Anfang Januar die Wache in der Festung Bobruisk stellte. Ein Neffe dieses Jakow Dragomanow war der Historiker Michail Dragomanow - Onkel von Lessja Ukrainka, die 1905 zur Sozialdemokratie fand.

Neben den Aufständen in St. Petersburg und des Tschernigower Regiments kam es auch in Moskau und weiteren Einheiten zu Protestaktionen. Da es unmöglich war, alle vor die Untersuchungskommission zu zitieren und in Petersburg zu inhaftieren, wurden viele Sympathisanten der Reformbewegung von Militärgerichten verurteilt, denn die Zahl der Verdächtigen lag weit über 500. Einige der Urteile erscheinen heute recht willkürlich, wurden von einem Großteil der Dekabristen aber akzeptiert, da sie sehr wohl verstanden, dass ein Zar streng durchgreifen muss, um sich und sein Regime zu behaupten.

Baschmakow, Flegmont Mironowitsch (1774 - 1859)

Obwohl er stets beteuerte, kein Mitglied der Geheimgesellschaft gewesen zu sein, wird er aufgrund von Aussagen durch das Militärgericht der 1. Armee  in Mogiljow zu lebenslänglicher Verbannung nach Sibirien verurteilt. Er war recht weitläufig mit A.A. Suworow verschwägert, der sich Anfang der 50-er Jahre für ihn verwendet. B. bleibt aber in Tobolsk, wo er im Kreis der Dekabristen bis zu seinem Tode lebt.

Pawel Alexandrowitsch Bestushew                            (1808 - 1846)

Pawel Bestushew wurde nach ca. 1 Jahr Festungshaft in den Kaukasus versetzt, weil er ein Bruder der Bestushew-Dekabristen war. Die Anzeige erfolgte unter falschem Verdacht durch Großfürst Michail Pawlowitsch, unter dem der Junker Pawel Bestushew bei der Garde diente. Für sein Kanonen-Visier erhielt Pawel Bestushew den Annenorden und "durfte" als kranker Mann seinen Abschied nehmen. Bevor er starb (sechs Wochen nach seiner Mutter), musste er noch seinen einzigen Sohn Alexander beerdigen.

Andrei Andrejewitsch Bystritzkij, Unterleutnant         (1799 - 1872)

Er wurde als Teilnehmer des Aufstands vom Tschernigower Rgt. von einem Militärgericht der 1. Armee in Mogiljow zum Tod durch Vierteilen verurteilt. Das Urteil wurde dann auf "Erschießen" gemildert, sollte auch vollzogen werden, doch wurde er dann im Juli 1826 zu lebenslänglicher Verbannung begnadigt. Im September 1826 begibt er sich gemeinsam mit Suchinow, Mosalewskij und Solowjow auf den Fußmarsch nach Sibirien, erkrankt aber unterwegs und bleibt zur Genesung in Moskau zurück. Nach der Amnestie kehrt er nach Mogiljow zurück und erhält eine Pension von 114 Rubeln pro Jahr.



Der Kommandeur des Husarenregiments von Isjum wurde der Mitverschwörung am Dekabristenaufstand bezichtigt und mit Festungshaft auf der Solowetzkij-Insel bestraft. Er war Teilnehmer des Vaterländischen Krieges gegen Napoleon und ein Onkel 2. Grades (mütterlicherseits) des Poeten Alexander Sergejewitsch Puschkin. Das Portrait von ihm entstand nach der Vorlage in dem Buch "Приют, сияньем муз  одетый", das 1979 und 1988 im Verlag "Planeta"/Moskau erschien (ISBN 5-85250-039-9). 

Konstantin Gustafowitsch Eagelstroem, Hauptmann   (1799 - 1851)


Wurde als Organisator des Aufstandes vom Litauischen Pionierbataillon am 27.12. 1825 in Bialystok verhaftet und zu 10 Jahren Zwangsarbeit bei Verlust von Adel und Rang mit anschließender Verbannung/Ansiedlung in Sibirien verurteilt.

Jewdokim Jemeljanowitsch Latschinow, Oberleutnant  (1799 - 1875)

Teilnehmer der Gesandtschaft A.P. Jermolows nach Persien (1816/17) und Zögling der Schule für Kolonnenführer N.N. Murawjows d.Ä. in Moskau. Er wurde als Mitglied des Südbundes am 25. Oktober 1826 vom Militärgericht der 2. Armee in Tiraspol zum Soldaten degradiert und bei Aberkennung seiner Adelsrechte einem Bataillon der 20. Infanteriedivision zugeteilt. Er hinterließ interessante Aufzeichnungen, die in dem Band "Dekabrity ob Armenii i Sakawkasje" in Jerewan bei der Armenischen Akademie der Wissenschaften 1985 erschienen.

Alexander Nikolajewitsch Lutzkij, Offiziersanwärter (ca. 1804 -  1882)

Ein Freund von Alexander Bestushew und des Fürsten Stschepin-Rostowskij, wurde wegen seiner Teilnahme am Aufstand des 14. Dezember 1825 vom Militärgericht der Leibgarde des Moskauer Regiments am 22. Januar 1827 zum Tode durch den Strang verurteilt. Den Kontrollbehörden erschien dieses Urteil zu hart, und am 6.5. 1827 wurde er schließlich zur Zwangsarbeit und Verbannung nach Sibirien verurteilt. Den Weg dorthin musste er zu Fuß bewältigen. Unter dem Vorwand der Krankheit machte er dabei in Moskau, Kasan und Perm länger Station und traf 1828 in Tobolsk ein. Unterwegs beschaffte er sich falsche Papiere, um unter falschem Namen im Gouvernement Jenisseijsk unterzutauchen. Der Schwindel flog auf, er bekam 100 Rutenschläge und musste zu den Minen von Neu-Serentuisk. Von hier floh er 3 Monate später, wurde im Februar 1831 erneut ergriffen, nach 16 Rutenschlägen wieder ins Gefängnis gesteckt und zu verschärfter Zwangsarbeit  stets an den Karren gefesselt, den er zu beladen hatte. Im Mai 1850 wurde er von der Zwangsarbeit befreit und bei Nertschinsk (?) angesiedelt. Zuvor hatte er 1838 die Tochter eines Barbiers geheiratet, zeugte mit ihr 8 Kinder und bekam nach der Amnestie sein Adelsprädikat zurück.

Mussin-Puschkin, Wladimir Alexejewitsch (1798 - 1854), Hauptmann


Der Sohn des Grafen Alexei Iwanowitsch Mussin-Puschkin und einer geb. Fürstin Wolkonsky wurde am 30.12. 1825 in Mogiljow verhaftet und nach Petersburg gebracht, weil er Mitglied des Nordbundes war. Er kommt in die Peter-Pauls-Festung und wird auf Befehl des Zaren mit Wirkung vom 15. Juni zu einem weiteren Monat Festungshaft verurteilt, darf dann aber wieder bei einem Regiment der 25. Infanterie-Division als Hauptmann dienen, wird allerdings von 1831 - 34 vom Militärdienst suspendiert. Zuvor trifft er aber noch Alexander Puschkin auf dessen Rückreise von Erzerum und hilft ihm dabei, einige Flaschen Rheinwein bis Tbilissi zu leeren. Seine Mutter war eine geb. Fürstin Katharina Alexejewna Wolkonsky. Verheiratet war er ab Mai 1828 mit Emilia Schernwall und hat mir ihr die Söhne Alexei und Wladimir.  

Andrei Grigorjewitsch Nepenin (1782 - 1845), Oberst

Er dürfte wohl als einer der ersten Aktivisten der Dekabristenbewegung gelten, wenn man darunter den Einsatz für Menschenrechte versteht. Im Rahmen der Untersuchungen zum Aufstand des Semjonow-Regiments im November 1820 wurde er als Vertrauter W.F. Rajewskijs (des sog. 1. Dekabristen!) seines Postens als Kommandeur des 32. Jägerregiments enthoben und nach dem Aufstand vom 14. Dezember 1825 verhaftet. Auf persönliche Anweisung Nikolai I. wurde er per 18. März 1826 zu 6 Monaten Festungsghaft verurteilt und anschließend observiert. Zudem wurde er aus der Armee entlassen und durfte sich bis 1842 in keiner der beiden Hauptstädte niederlassen.

Iwan Iwanowitsch Suchinow , Oberleutnant (1795? - 01.12.1828, Suizid)

Mitglied des "Bundes Vereinigter Slawen" und Teilnehmer am Aufstand des Tschernigower Regiments unter Sergei Iwanowitsch Murawjow-Apostol. Er entkam der sofortigen Verhaftung durch Flucht, wurde aber am 15. Februar 1826 in Kischinjow festgenommen und zu lebenslanger Zwangsarbeit nach Sibirien verurteilt. Er mußte mit anderen den Weg nach Sibirien zu Fuß gehen und organisierte im April 1828 in Serentuisk einen bewaffneten Aufstand mit dem Ziel, alle Dekabristen zu befreien. Der Plan wurde entdeckt und Suchinow zu 300 Stockschlägen sowie  anschließender Brandmarkung und Hinrichtung  verurteilt. Er entzog sich dem Vollzug des Urteils durch Suizid.


Mitglied der "Gesellschaft Vereinigter Slawen". Gemeinsam mit S.P. Trussow unternahm er in den ersten Januartagen des Jahres 1826 den Versuch, sein Regiment, in dem er als Oberleutnant diente und das in Bobruisk stationiert war, für den Aufstand zu mobilisieren, um sich mit den Einheiten Serfei I. Murawjow-Apostols zu vereinen. Das mißlang, und ein Militärgericht verurteilte ihn zum Tode, was später in lebenslange Verbannung mit  Zwangarbeit gewandelt wurde.

Tutschkow, Alexei A. (1800-1878); Oberleutnant

unbek.Künstler

Der Oberleutnant Tutschkow wird am 11. Januar 1826 verhaftet, weil er einer Moskauer Zelle des Geheimbundes angeörte. Am 14. April bereits entlassen, gerät er 1850 unter erneuten Verdacht "politischer Umtriebe". Seine Tochter Natalia war sowohl mit Ogarjow wie auch mit Alexander Herzen verheiratet.


Oberst Pawel Christophorowitsch Grabbe (1789-1875)


Als ehemals recht aktives Mitglied des Rettungs-, bzw. Wohlfahrtsbundes wurde er im Dezember 1825 beim Sewersker Reiterregiment verhaftet, nach kurzer Untersuchungshaft aber wieder frei gelassen und in den Ruhestand versetzt (bis 1827). Als der Krieg gegen die Türkei ausbrach wurde er reaktiviert und in die Walachai (Bulgarien), bzw. die Donau geschickt, 1829 zum Generalmajor befördert. Grabbe war während des Vaterländischen Krieges gemeinsam mit von Wisin Adjutant bei Jermolow und hatte sich nach 1821 vom Geheimbund distanziert. Zur Zeit des Polenaufstandes 1831 kämpft er bei Minsk und heiratet 1838 ein zweites Mal. Anschließend kämpft er im Kaukasus gegen Schamil (Daghestan, Tschetschenien), nimmt am Krim-Krieg teil und lebt 1858-62 auf seinem Anwesen Timtschicha (Poltawa). Er wird in der Folge Ataman der Dontruppen und 1866 in den Grafenstand erhoben, gleichzeitig Mitglied des Staatsrates. Für all dies musste er schwer bezahlen, u.a. mit dem Leben zweier Söhne aus zweiter Ehe, die während der Kämpfe des 19. Jh-s fielen. Seine zweite Frau starb bereits 1858.

Fürst Ludwig Adolf zu Sayn-Witgenstein (1799-1866)

Gemälde: F. Krüger um 1840

Er war Mitglied des Wohlfahrtsbundes und des Südbundes (Vertrauter Pestels), fungierte als Vermittler zwischen Nord- und Südbund, kam aber nach der U-Haft wieder frei - wohl Dank der Verdienste seines Vaters (OK der 2. Armee), der auch dafür sorgte, daß Ludwig Adolph 1828 den Armeedienst quittieren und die Polin Stefanie Raziwill heiraten konnte.

Iwan Pawlowitsch Schipow, Oberst (1793 - 1845)



Obwohl er eine zentrale Rolle innerhalb des Bundes spielte (zumindest bis 1821), wurde er von der Untersuchung ausgeschlossen und mit Jermolow in den Kaukasus geschickt.
Mitglied des Rettungsbundes (Aufnahme duch P.I. Pestel!) sowie des Wohlfahrtsbundes (Mitglied des Stammrates und Teilnehmer des Petersburger Kongresses 1820). Teilnehmer des russisch-persischen Krieges von 1826-1827 (Abbas-Abad, Jerewan), 1828 Generalmajor. Er befehligte in der Nacht zum 1. Oktober 1827 ein Regiment der Garde zur Bedeckung jenes Arbeitskommandos, das unter der Leitung von M.I. Pustschin die Grundlagen dafür legte, dass Jerewan von den russischen Truppe erobert wurde. Auch sein älterer Bruder war Mitglied des Wohlfahrtsbundes. Der bekam im Jahr 1821 das Kommando über das neu formierte Semjonowregiment.


Alexander Michailowitsch BULATOW, Oberst  des 12. Jägerregiments der Division Sipjagin (1793 - 19. 01. 1826) und designierter militärischer Führer des Aufstandes vom 14. 12. 1825

Gemeinsam mit Rylejew, Sutthoff, Panow, Koshewnikow, Stschepin-Rostowskij und N.A. Bestushew arbeitete er spätestens seit dem 03. Dezember 1826 intensiv an den Vorbereitungen für den Aufstand und stellte sich nach dem gescheiterten Putschversuch selbst. Nur wenige Schrite von Nikolai Pawlowitch entfernt, brachte er es am 14. Dezember nicht über Herz, die geladenen Pistolen auf den Zaren abzufeuern. Die Tage der Haft waren für ihn eine seelische Pein, weil er u.a. seine Töchter nach dem Tod der Frau allein wußte. Die seelische Verzweiflung trieb ihn nach Aussage Pater Myslowskijs in den Wahnsinn. In einem Anfall geistiger Verwirrung soll er seinen Schädel selbst (?) derart an die Wand seiner Zelle geschlagen haben, dass die Schädeldecke oberhalb der linken Schläfe brach und Teile des Hirns austraten. Jede medizinische Hilfe kam zu spät. Mit Genehmigung des Großfürsten Michail Pawlowitsch wurde er dann am 22. Januar in St. Petersburg in allen noch möglichen Ehren durch seinen (Halb)Bruder Alexander in St. Petersburg bestattet. Die Offiziere stellten als Zeichen ihrer Verehrung ein Denkmal auf sein Grab.

vor dem Aufstand verstorben:

Nowikow, Michail Nikolajewitsch (1777 -1824)

Der Neffe des russischen Aufklärers N.I. Nowikow war Mitglied der Geheimorganisation "Orden russischer Ritter" sowie des Rettungsbundes (1816). Als Freimaurer und Meister der Loge "Liebe zur Wahrheit" in Poltawa (1818-19) wollte er diese zu einer Filiale des Wohlfahrtsbundes umwandeln.


Oberleutnant Anastasius Dmitrijewitsch Kusmin (1800? - 03. 01. 1826), Mitglied der "Gesellschaft Vereinigter Slawen" und Kommandeur der 5. Musketier-Kompanie (Suizid nach Verhaftung)

Oberleutnant Michail Alexejewitsch Stschepilo (1800? - 03. 01. 1826), Mitglied der  "Gesellschaft Vereinigter Slawen" und Kommandeur der 3. Musketier-Kompanie (fiel in der Schlacht bei Trilessa)

Fähnrich Hyppolite Iwanowitsch Murawjow-Apostol (1806- 03.01. 1826) Mitglied des Nordbundes und Teilnehmer der Schlacht bei Trilessa. Er wurde in der Nähe des Dorfes Kowalewka an der Hand verwundet und entzog sich der anschließenden Verhaftung durch Kopfschuss.

Alle 3 wurden in einem gemeinsamen Grab bei Trilessa bestattet.

Sympathisanten und Mitglieder der Dekabristenorganisation, die von der Untersuchungskommission verschont wurden, bzw. nur unter Beobachtung standen: 

Iwan Grigorjewitsch BURZOW (auch Burzew), Oberst (1795-1829)


Er war schon Mitglied des vordekabristischen "Heiligen Artels", diente gemeinsam mit N.N. Murawjow junior unter General  Jermolow im Kaukasus und zählt zum Freundeskreis Gribojedows. Als Deputierter der Tultschiner Filiale nahm er (quasi als Vertreter Pestels) an jenem Kongress teil, auf dem die Auflösung des Wohlfahrtsbundes beschlossen wurde. Obwohl im März 1826 nach Enthebung von seinem Postens als Kommandeur des Ukrainischen Inf.-Regiments zu 6 Monaten Festungshaft in Bobruisk verurteilt, wird er auf allerhöchste Anweisung im Juli als Oberst in den Kaukasus versetzt, zeichnet sich in der Folge aus, wird aber im Juli bei der Schlacht von Baiburt tödlich verletzt. Er stirbt auf dem Weg nach Trapezund und wird in Gori beerdigt. Nach seinem Tod bringt seine Frau (Anna Nikoajewna; aufgewachsen im Haus der Fam. Potocki) eine Tochter zur Welt und gibt ihr den Namen Katharina, die später einen Miloscewicz heiratet.

Esper Alexandrowitsch Belosjelskij, Fürst (1802 - 1846)



Der Bruder von Sinaida Wolkonsky kam trotz Milde nicht um seinen Einsatz im Kaukasus herum, schaffte es aber bis zum Juni 1833, den Rang eines Flügeladjutanten und bis September 1843 den des Generalmajors zu erreichen. Er war mit der Stieftochter des Grafen Benckendorff verheiratet und starb, nachdem er sich in einem Lazarett mit Typhus infiziert hatte.


unbekannter Künstler des 19. Jahrhunderts

Als die Verhaftungen vor und nach dem Aufstand in St. Petersburg erfolgten, befand sich der Enkel von Katharina II. gerade in Paris. Versuche, ihn wegen der Litho-Presse stärker zu verdächtigen, schlugen fehl. Das Verfahrengegen ihn musste eingestellt werden. Er blieb aber unter polizeilicher (geheimer) Aufsicht. Er heiratete in 2. Ehe die Tochter des Dekabristen Alexei Wassiljewitsch Scheremetjew, Sofia.


T.Wright 1842

Er entging den Nachstellungen der Untersuchungskommission aufgrund der Aussage Jakuschkins, daß er ab 1821 an keinerlei Aktionen des Gehimbundes beteiligt und nur Mitglied des Wohlfahrtsbundes gewesen sei. Faktisch hatte er aber einen Aufstand in Moskau im Dezember 1825 geplant, der nur ausblieb, weil man noch rechtzeitig vom Scheitern des Aufstandes in St. Petersburg erfuhr.




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"Schier ungebremste Lust auf Punsch und Kriegsgeschehen..." zeichnete diesen Freund Alexander Puschkins nicht nur aus, sondern auch ein gutes timing. Ab Februar 1823 befand er sich als Oberstleutnant im Ruhestand und gehörte zu den ehem. Mitgliedern des Wohlfahrtsbundes, welche von den Untersuchungen ausgenommen wurden. Im September 1826 meldete er sich wieder zum Dienst, kämpfte 1830/31 u.a. in Polen und nahm 1836 als Oberst endgültig seinen Abschied. Er zählte innerhalb des Bekanntenkreises A. Puschkins zu den Gebildetsten und Originellsten, blieb ein Freund bis in den Tod.

Wladimir Fedorowitsch Odojewskij , Senator    (1803 - 1869)


Während des Aufstandes war er zur Kur im Ausland. Die Mitgliedschaft in der Dekabristenorganisation konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Odojewskij gab u.a. mit A.S. Puschkin den "Sowremennik" heraus und erwarb sich viele Verdienste als Pädagoge, Sophist und Musikwissenschaftler.

Michail Fedorowitsch Orlow, Generalmajor        (1788 - 1842)


Der Chef der Dekabristenzelle von Kischinjow und Schwager S.G. Wolkonskys entging der Verurteilung nur durch die Fürsprache seines Bruders Alexei, des späteren Chefs des Geheimdienstes (nach Benckendorff). Seine militärische Karriere musste er aber beenden und sich unter Polizeiaufsicht stellen.

Alexander Antonowitsch Ratschinskij, Hptm.            (1799 - 1866)

Der Schwager des Poeten Baratinskij war Mitglied des Hl. Artels und diente im Semjonow-Rgt., das nach der Meuterei im Jahr 1820 aufgelöst wurde. Seine Nähe zu den Brüdern Murawjow-Apostol und Pawel Pestel wurde ihm nicht zum Verhängnis, er wurde aber unter Beobachtung gestellt, worüber monatlich Bericht erstattet werden musste.


Aquarell: K. Brüllow um 1830

Der Enkel des legendären Feldmarschalls Suworow, von den Dekabristen stets liebevoll "der kleine Suworow" genannt, wurde im Jahr 1825 an der Universität von Göttingen immatrikuliert und zählte zuvor zum erweiterten Freundeskreis der Dekabristen. Über die Mutter war er mit den Naryschkins verwandt. Nach kurzer U-Haft wurde er wieder entlassen und machte beim Militär Karriere.

Sergei Iwanowitsch Turgenjew (1790 - 1827)


Den Bruder des Dekabristen Turgenjew nahmen die Ereignisse des 14. Dezember 1825 mit seinen Folgen derart mit, dass er psychisch erkrankte und bald nach Urteilsverkündung starb.



Graf Michail Andrejewitch Miloradowitsch (Militärgouverneur von St. Petersburg) fiel an den Schußverletzungen, die ihm u.a.  Kachowskij beifügte. Als man den sterbenden Grafen vom Platz trug, beraubten ihn die Träger seiner Orden und Ehrenzeichen (die damals in den Geschäften zum Kauf angeboten wurden und nicht billig waren). Allein dieser Umstand macht deutlich, dass sich an jenem Tag nicht nur edel gesinnte Menschen am Senatsplatz einfanden, sondern auch andere, die zu jeder Untat bereit waren, wenn sich dadurch Beute machen läßt. Dieser unberechnbaren Kraft keine Chance der Entfaltung anzubieten, ist durchaus ein, wenn auch schwaches, so doch Verdienst der Aufständischen.


General Alexander Iwanowitsch Osterman-Tolstoi (1771-1857)

Zitat aus "Das Haus Tolstoi", DVA Stuttgart 1985: "Wie bei Ostrowno im Jahr zuvor hatte Osterman-Tolstoi durch seine Kühnheit die russische Armee gerettet. Hätte Vandamme Teplitz so rechtzeitig erreicht, das er sich hätte verschanzen können, dann wären die Verbündeten beinahe sicher ... aufgerieben worden, und Napoleon hätte unbehindert durch Böhmen nach Wien ziehen können. (...) Die Schlacht von Kulm verwandelte die Verzweiflung, die sich in den böhmischen Tälern breitmachte, zum Freudenschrei. (...) Osterman-Tolstoi war der Held der Stunde. Nach zwei Operationen heilte seine Schulterwunde, und dank seiner kräftigen Verfassung war er bald völlig genesen. (...) Vor allem gewährte er den beiden Grenadieren, die ihn nach seiner Verletzung bei Kulm vom Pferd gehoben hatten, und dem Wundarzt, der seinen Arm abgenommen hatte, eine Leibrente auf Lebenszeit. 1817 wurde er in den höchsten Generalsrang erhoben, quittierte aber bald darauf den Dienst. (...) In St. Petersburg erbaute er am Englischen Kai im Admiralitätsviertel einen großartigen Palast, nur einen Steinwurf entfernt vom Winterpalast..."

Dieser Held der Befreiungskriege 1813-15 gewährte am Abend des 14. Dezember 1825 einigen Aufständischen (D. Sawalischin, N. Bestuschew, W. Küchelbecker) Zuflucht in jenem Palast im Admiralitätsviertel. Nach deren und der Verhaftung einiger Familienmitglieder war er einer ihrer treuesten Fürbitter. Als er einsehen musste, dass der russische Hof unter Nikolai Pawlowitsch auf Persönlichkeiten wie ihn nicht unbedingt zählte, kehrte er Russland für den Rest seines Lebens den Rücken und ließ sich in Italien (Rom), bzw. am Genfer See nieder.


Alexander Sergejewitsch Puschkin (1799-1837)


Den Dichter rettete der Aberglaube vor der Teilnahme am Aufstand des 14. Dezember. Schon auf dem Weg nach Petersburg, ließ er die Kutsche wenden und fuhr heim, da eine schwarze Katze den Weg nach rechts kreuzte. Dafür stand sein Bruder Lew auf Seiten der Aufständischen - was aber keine weiteren Folgen hatte.

Elisabeth Pestel, geb. von Krock (1770-1836)

Obwohl kaum etwas überliefert ist, das für die Solidarität der Mutter Pawel Pestels spricht, ist davon auszugehen. Sie war eine empfindsame, künstlerisch ambitionierte Frau und litt einsam, als ihr Sohn verhaftet und schließlich gehängt wurde. Von ihren 4 Söhnen (Wladimir, Boris, Pawel und Alexander) schaffte es Boris trotz der engen Verwandtschaft bis zum Vizegouverneur von Wladimir und Tatsächlichen Staatsrat.



Der hoch dekorierte Artilleriegeneral war verschwägert mit N.L. Lorer und traf seine Schwager, als jener während seiner Dienstzeit im Kaukasus die Bäder von Pjatigorsk aufsuchte

Bestushewa Jelena Alexandrowna (1792 - 1874)



Die älteste Schwester der Gebrüder Bestushew nahm regen Anteil am Schicksal der Brüder; insbesondere wirkte sie als Agentin von Alexander und kümmerte sich um die Herausgabe von dessen literarischen Werken. Die anderen Schwetsren hießen Maria (1794-1889) und Olga (1795-1889).

Bakunin, Michail Alexandrowitsch (1814-1876)

Autoportrait aus dem Jahr 1838 

M. Bakunin war ein Verwandter der Murawjows und lernte 1839 A.Herzen und  N. Ogarjow kennen. Er begeisterte sich neben Kant, Fichte und Schelling für Hegel und geht 1940 nach Berlin, um Material für seine Habilitation im Fach Philosophie zu sammeln. In Berlin wird er zum politischen Menschen, lernt Anselm Feuerbach kennen und kämpft 1848 mit G. Herwegh u.a. in Dresden, ebenso für die 2. Französische Republik. Er musste über Brüssel nach Paris fliehen und wird 1849 in Dresden verhaftet. Er kommt über die Festung Königstein nach St. Petersburg in die Peter-Pauls-Festung und schließlich nach Sibirien. Hier lernt er einige der Dekabristen noch kennen und flieht 1861 über Japan und die USA nach England. Er lernt dort Karl Marx kennen und übersetzt das kommunistische Manifest ins Russische. Er wird Mitgestalter der kommunistischen Internationale, die ihn aber schließlich wegen der Radikalität seiner Ansichten mit J. Guillaume ausschließt. Sein Lebensweg ist eine mögliche Variante für jenen Pestels, wenn der im Jahr 1826 nicht schon hingerichtet worden wäre. Von den meisten Dekabristen unterscheidet sich Bakunin vor allem dadurch, dass er die Religion ablehnte.

Fonwisin, Iwan Alexandrowitsch (1789 - 1853), Oberst im Ruhestand

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Der Bruder des Dekabristen Michail Alexandrowitsch Fonwisin (ursprüngl. von Wiesen) war ab 1818 Mitglied des Wohlfahrtsbundes, spielte aber in der Geheimgesellschaft nach 1821 keine Rolle mehr und widmete sich nur noch der Familie. So kam er 1826 nur 2 Monate in U-Haft, blieb danach aber unter polizeilicher Beobachtung. Er stand weiter zu seinem Bruder, den er beerbte, 1852 in Sibirien besuchte und überschrieb all seinen Besitz noch vor seinem Tode der Frau seines Bruders - Natalja Dmitrijewna, der späteren Frau Iwan Pustschins.

Glinka, Justina Karlowna, geb. Küchelbecker

Die Schwester der Dekabristen Wilhelm und Michail Küchelbecker setzte sich sehr dafür ein, das Los der Verbannten ein wenig zu erleichtern und nahm nach dem Tod Wilhelms die minderjährigen Kinder Michail (7Jahre) und Julia (3 Jahre) zu sich.

Iljinskij, Dmitrij Sacharowitsch, (1805 - 1842) Stabsarzt

Nach Beendigung seines Medizinstudiums (Chirurgie) an der Moskauer Universität, ging der junge Mann als Stabsarzt nach Petrowskij Sawod, wo er neben dem Kommandanten Leparskij ein eigenes Anwesen bezog. Durch den engen Kontakt zu den Dekabristen bedingt, begann er sich für Philosophie und Fremdsprachen zu interessieren. Nachdem die Dekabristen ihre Haft in Petrowsk abgesessen hatten, blieb er in glühender Verehrung bei ihnen und heiratete die Tochter des Kaufmanns Starzew in Selenginsk, wo sich auch die Brüder Bestushew und Torson ansiedelten.

Meier, Nikolai Wassiljewitsch

Er war Arzt und lebte in Stawropol, wo sich viele jener Dekabristen aufhielten, die von Sibirien in den Kaukasus geschickt wurden. Er war ihnen nicht nur moralisch und intellektuell eine Stütze, sondern half ihnen auch finanziell. Er war eng befreundet mit M. Lermontow, der ihm in seinem Werk "Ein Held unserer Zeit" mit der Figur des Werner ein bleibendes Denkmal setzte.

Miklasziewicz, Warwara

Sie war eine talentierte Schriftstellerin, die um 1825 durchaus Anhänger hatte. Ihre Kontakte erstreckten sich auf den Kreis um A. Gribojedow und K. Rylejew. Nach dem Aufstandsversuch vom 14. Dezember gewährte sie A. Odojewskij Zuflucht in ihrer Wohnung und beschwor ihn, ins Ausland zu flüchten. Ihr Freund, der Übersetzer, Dramaturg und Kritiker Andrei Zhandr (publizierte im "Syn Otecestva") begab sich nach der Hinrichtung der fünf Dekabristen auf die Insel Golodai, um dort gemeinsam mit Freunden (mglw. mit A. Puschkin) nach der Grabstätte dieser Männer zu suchen. 

Doktor Persin, Iwan Sergejewitsch

I. Persin, Mitglied der Russischen Geographischen Gesellschaft und Goldhändler, war ein Arzt in Irkutsk, der das besondere Vertrauen der Dekabristen besaß und sich dafür einsetzte, dass die wichtigere (!) Privatpost der Dekabristen an der III. Abteilung vorbei geschleust wurde.    Er setzte sich auch dafür ein, dass N.A. Bestushew Zugang zur Oberschicht von Irkutsk und als Portraitist reichlich Aufträge bekam.

Reineke, Michail Franzewitsch (1801 -  1859), Vizeadmiral


Sohn des in Riga ansässigen Hofrates Franz Reineke. Er war zunächst ein engerer Jugendfreund der jüngeren Brüder N. Bestushews (Michail, Alexander). Wie diese, besuchte auch er das Kadettenkorps der Marine, bei der R. ab 1818 als Geschwader-Adjutant des Kapitän-Kommanders Götzen diente und 1823 zum Leutnant befördert wurde. Von 1826 bis 1832 bereist er das Weissse Meer, um detaillierte Messungen (u.a. im Auftrag Krusensterns) durchzuführen, wird mit dem Annen-Orden 3. Klasse und dem Kapitän-Leutnant (1832) ausgezeichnet, 1855 Vizeadmiral. Er war mit Admiral Nachimow befreundet und Augenzeuge des Krimkrieges. Er blieb mit den Bestushews auch nach deren Verurteilung in Verbindung, schickte ihnen u.a. Info-Material und Nachrichten von den südlichen Kriegsschauplätzen, bevor er - 56-jährig - um seine Pensionierung bittet. Nach ihm wurden eine Insel im Japanischen Meer und ein Felsen im Ochotsker Meer benannt. Als N. Bestushew im Sterben lag, war seine einzige Hoffnung, noch einmal Post von R. zu lesen...

Wolchowskij, Wladimir Dmitrijewitsch, Hauptmann (1798 - 1841)


Der Lyzeumskamerad A.S. Puschkins gehört zur Gründergenration des Geheimbundes und entging der gerichtlichen Verfolgung nur auf Initiative des Stabschefs der Armee I.I. Diebitschs. Er wurde später Stabschef des Kaukasuskorps und nahm bis 1838 den Sohn A.J. Rosens in seiner Familie auf. Seine Frau, die Tochter des Lyzeumsleiters Malinowskij, war die Schwester von A.J. Rosens Ehefrau.

Fürstin Schachowskaja, Elisaweta Michailowna (1797 - 1877)

Sie war eine von sieben Schwestern, die lebhaften Anteil am Schicksal der Dekabristen und deren Kinder nahmen. Sie war eine Schwägerin des Dekabristen Alexander Nikolajewitsch Murawjow und korrespondierte ständig mit den Verbannten in Sibirien



N.Bestushew

Sie wurde 1830 in Petrowskij Sawod geboren und heiratete 1852 den Adjutanten des Generalgouverneurs von Omsk, Iwanow. Dieser war u.a. für die Gefängnisse verantwortlich und kümmerte sich sehr um F. Dostojewskij, den man zur Zwangsarbeit nach Omsk geschickt hatte. Von dort schrieb Dostojewskij an seinen Bruder: "Was für eine Familie! Und erst seine Frau, eine Tochter des Dekabristen Annenkov - was für ein Herz, was für eine Seele! Ohne sie hätte ich die Zeit hier nicht überlebt..."

Wolkonsky, Michail Sergejewitsch

Fotografie aus dem Jahr 1887 (Quelle: Fotoarchiv Schloss Fall)

Der Sohn von Maria Wolkonsky und Sergei Grigorjwitsch war Schüler von Michail Lunin und durfte mit Sondergenehmigung das Gymnasium von Irkutsk besuchen. Nach dem Abschluss mit Goldmedaille im Jahr 1849 trat er in den Staatsdienst ein, war Überbringer der Nachricht zur Amnestie und heiratete eine Tochter des Grafen A. Benckendorff, Elisabeth. Nachdem er wichtige Funktionen ausgeübt hatte, wird er 1896 Mitglied des Staatsrats.




Lanskoi, Sergei Stepanowitsch (1787-1862), russ. Innenminister 1855-61

Über die Freimaurerei, er war 2. Meister der Loge "Die Provinzielle", wurde der literarisch sehr bewanderte und stets gut informierte Sergei Stepanowitsch mit Alexander Nikolajewitsch Murawjow bekannt, der ihn etwas später als Mitglied des Wohlfahrtsbundes aufnahm. Nach Auflösung des Bundes im Januar 1821 trennte sich L. von den ehemaligen Bundesgenossen und wurde in der Folge Gouverneur von Wladimir und Kostroma, 1850 Mitglied des Staatsrates. Zu seinen Gönnern gehörten der Großfürst Konstantin Nikolajewitsch und die Großfürstin Jelena Pawlowna. Nach seiner Pensionierung im Jahr 1861 wurde ihm die Grafenwürde verliehen.


Jakow Iwanowitsch Rostowzew, Leutnant    (1803 - 1860)

Die Schilderung seines Treffens mt Nikolai Pawlowitsch soll einige "Dekanristen" zum Schwanken gebracht haben, welche die Entschlossenheit des neuen Zaren fürchteten.

Nach den Erinnerungen N.A. Bestushews zu urteilen, hat Rostowzew Nikolai Pawlowitsch am oder vor dem 12. Dezember 1825 in einem Gespräch von einem geplanten Putsch informiert. Diese Information war von entscheidender Bedeutung und drängte Nikolai noch einmal mit Nachdruck, etwas zu unternehmen...        Eine Woche später wurde Rostowzew zum Oberleutnant des Leibgarde-JR befördert. Sein Bruder war Oberst des Leibgarde-Jägerregiments, ihr Vater Direktor der Lehreinrichtungen des Gouvernements St.Petersburg. 1855 war J.I. Rostowzew, der sich auch gern als Publizist, Übersetzer und Poet betätigte, Mitglied des Staatsrates. Seine Witwe und die Kinder wurden, angesichts seiner großen Verdienste, in den Grafenstand erhoben. Nach der Amnestie erneuerte er die Freundschaft zu Fürst Jewgenij Obolenskij.

Arkadij Iwanowitsch Maiboroda, Hptm./1842 Oberst       (Suizid 1844)

Alexander Fedorowitsch von Möller (1796-1862), Oberst


Am 14. Dezember 1825 stellte er mit seinem Bataillon die Wachen vom Winterpalast bis zur Admiralität. Als langjähriges Mitglied der Geheimgesellschaft war er in die Pläne des Aufstandes eingeweiht und hielt sich während des Aufruhrs in unmittelbarer Nähe Nikolai I. auf. Beweis seiner Ergebenheit zum Kaiser ist die Ernennung zum Flügeladjutanten per 15.12. 1826 wie auch die nachfolgende Karriere bis zum Chef der Inneren Sicherheit (1855). 1861 wird er zum Infanteriegeneral ernannt.

Iwan Michailowitsch Nimse (gebürtiger Preusse und notorischer Zuträger)

Alexander Nikititsch Ronow

Dass der Imperator, sowohl Alexander wie auch Nikolai Pawlowitsch, nicht jede Form der Denunziation billigte, beweist der Fall Ronow. R. zeigte bereits im Jahr 1820 (und zwar im November, d.h. zur Zeit der Meuterei im Semjonowregiment!) den Dekabristen Sinjawin als Mitglied einer Geheimorganisation an, ohne allerdings schlüssige Beweise vorzubringen. Dafür wurde er als Kornett in Unehren aus dem Dienst bei der Garde entlassen. Im Jahr 1846 arbeitete R. als Schöffe an der Gerichtskammer von St. Petersburg. Da er sich hiervon eine schnellere Beförderung versprach, wendete er sich an Nikolai Pawlowitsch mit der Bitte um Versetzung in die 7. Beamtenklasse, weil sich seine Anzeige im Jahr 1825 am 14. Dezember als richtig und begründet erwiesen hatte. Dem wurde nicht entsprochen, denn mit Lumpen ab man sich nicht ab.

Hyppolite Irinarchowitsch Sawalischin (1809-1879)

Bruder des Dekabristen Dmitrij Sawalischin, über dessen Zugehörigkeit zum Nordbund nur wage Vermutungen bestehen. Obwohl sich dieser von den Aufständischen des 14. Dezember distanziert, wird er aufgrund einiger Indizien nach Kategorie I verurteilt. Auch Hyppolite verbüßt eine Haftstrafe, denn er verrät im Jahr 1828 die Existenz diverser polnischer Geheimgesellschaften, wird gemeinsam mit den Verurteilten als Provokateur abgeurteilt und verrichtet in der Folge die Arbeit eines Spions. Als er damit auffliegt, erwirkt sein Bruder Dmitrij, dass er die restliche Haftzeit bei ihm ableisten kann. 


Der Getreue

Der aus Kent (bei London) stammende Engländer kommt 1800 mit dem Vater nach Alexandrowsk und debütiert im September 1819 bei den Ulanen in der Ukraine. Hier kommt er schnell mit Offizieren in Berührung, erschleicht sich das Vertrauen F. Wadkowskijs und beschließt, den Geheimbund an den Grafen Araktschejw zu verraten. Noch am 10. und 18. November 1825 sendet er ausführliche Berichte an Alexander I., bzw. an I. Diebitsch und darf sich ab April 1826 mit Sherwood - der Getreue titulieren (Senatsbeschluss). Er bekommt sogar ein Wappen mit den Initialien Alexander I., wird im Juni 1826 Oberleutnant (und damit adlig), bei den Kameraden heisst er aber nur Sherwood-skwernij (statt Sherwood-wernij), was soviel wie Sherwood- der Fiese bedeutet. 1833 wird er sogar Oberst, doch hat es ihm die Verräterei derart angetan, dass er sich zu Falschanzeigen hinreissen lässt und bis 1851 in der Schlüsselburg einsitzen muss, bis 1856 unter polizeilicher Aufsicht bleibt. Dann zieht er auf sein Dorf und stirbt schließlich in Moskau.



Über den am 21. April 1829 zum Kavalleriegeneral ernannten von Witte schreibt Sergei Wolkonsky in seinen Erinnerungen: "Von Witt kann ich nur sagen, dass dieser Mensch es sein Leben lang verstanden hat, sich in den Deckmantel der Ergebenheit zu hüllen und aus jeder Affaire tadellos hervorzugehen. Er hat die Geheimgesellschaft nicht aus Ergebenheit für die Regierung verraten, sondern einzig und allein, weil er hoffte, um dieser Dienste willen nicht für die veruntreuten Gelder zur Verantwortung gezogen zu werden."


Alphabet jenes Bekanntenkreises von Alexander Puschkin, der mit den Dekabristen (z.T. aktiv) sympatisierte, bzw. mit ihnen verwandt war.

Katharina Fedorowna Murawjow (1779-1848) mit Sohn Nikita um 1810. Ihr haben wir es zu verdanken, dass der briefliche Nachlass ihres Sohnes (ca. 500 Briefe) erhalten blieb. Mir persönlich ist es eine Ehre, einen Teil dieser Briefe in meinem Band "Die Murawjows" (gemeinsam zu lesen mit "Lunin") erstmals dem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Neben den "Briefen aus Sibirien" von M.S. Lunin sind sie wichtige Dokumente zum Verständnis jener Märtyrer der Freiheit, als welche sie bis heute nicht ausreichend gewürdigt, weil nicht verstanden werden. Als die Gefahr bestand, dass man ihren Sohn Nikita gemeinsam mit dem Neffen Michail Lunin in Akatui einsperren würde, kaufte sie der III. Abteilung das verräterische Manuskript (das einzige Original, das die Zusammenarbeit Nikitas mir Michail bewies) für 100.000 Rubel ab und verbrannte es. Es erschien 1931 in einer Kopie aus dem Besitz der Familie Juschnewskij.

Achwerdow, Praskowja Nikolajewna (1799-1862), eine Bekannte Puschkins seit dem Sommer 1829, als er auf seiner Reise nach Erzerum in Tbilissi war. Sie war die Schwiegermutter in erster Ehe von N.N. Murawjow-Karskij, dem sie die traurige Nachricht vom Tod des Poeten mitteilte. A. Gribojedow war mit ihrer Tochter Nina verheiratet. Sie lebte ab 1930 in St. Petersburg.

Alexejew, Nikolai Stepanowitsch(1788-1852?),Beamter in Kischinjow/Odessa

Bakunin, Alexander Pawlowitsch (1799-1862), Lyzeumskamerad Puschkins und der ADJUTANT von General N.N. Rajewskij im Jahr 1820; Mitglied der Dekabristenorganisation "Gesellschaft des Siebensterns"


Begitschew, Dmitrij Nikitisch  (1786  - 1855)  Oberst a.D.; Autor          sein Bruder Stepan war sehr eng mit Gribojedow befreundet             Bibikow, Jekaterina Iwanowna (1795 - 1861)                                Borosdin, Andrei Michailowitsch (1765-1838)

Elisaweta Michailowna Chitrowo (1783-1839)

Die Tochter des Feldmarschalls M.I. Kutusow war eine der leidenschaftlichsten Verehrerinnen des Poeten und steckte mit dieser Leidenschaft auch ihre Tochter Katharina an, eines der Fräuleins von Anna Fjodorowna, der Gattin Nikolai I. Beide liebten sie das Gedankengut des Dichters, verteidigten ihn gegen üble Nachrede und bewahrten auch seinen ehemaligen Freunden ein ehrendes Gedenken, ohne sich damit in Szene zu setzen. Indirekt wirkten sie damit auf Alexander Nikolajewitsch, der die Dekabristen nach Amtsantritt amnestierte.

Baron Delwig, Anton Antonowitsch (1798 - 1831) 


Der Lyzeumskamerad Puschkins war über die Literarische Gesellschaft mit A.A. Bestuschew und K.F. Rylejew recht vertraut und widmete ihnen im Jahr 1828 eine Romanze, die von Glinka vertont und sehr populär wurde. Er selbst wurde im Jahr 1830 ein Opfer Benkendorffs, der seine "Literaturzeitung" verbat.

Gribojedow, Alexander Sergejewitsch (1795 - 1829), Diplomat


Der Autor von "Verstand schafft Leiden" war über Nina Tschawtschawadse mit N.N. Murawjow-Karskij verschwägert und freundete sich im Jahr 1822 mit Wilhelm Küchelbecker an, der kurze Zeit für A.P. Jermolow in Tbilissi arbeitet. Der Schreck und die Trauer, von denen Alexander Puschkin heimgesucht wird, als er 1829 dem Leichentransport begegnet, sind für uns kaum nachzuvollziehen.

F.F. Matjuschkin (Federnelke); 1799 - 1872

Er hielt zeitlebens treu zum "Bund der Eisernen", wie sich die Absolventen des 1. Kurses am Lyzeum nannten, haderte oft mit seiner Bestimmung und wurde am Ende Senator und Admiral - ohne sich zu verbiegen.

Abb.: unbekannter Künstler um 1815. (Quelle: Wikimedia-Commons.ru)

Murawjow-Apostol, Iwan Matwejewitsch (1768 -1851)

Der Vater der Gebrüder Murawjow-Apostol war mit Sicherheit einer der klügsten Köpfe seiner Zeit. Dies sorgte für gewisse Spannungen zu den regierenden Kreisen. Das Problem wurde gelöst, indem man ihn als Botschafter nach Madrid und Hamburg schickte. Er war eng befreundet mit Michail N. Murawjow und N. N. Murawjow senior, allesamt Persönlichkeiten, unter deren Einfluss die führenden Dekabristen - die wahren Dekabristen - aufwuchsen. Nach dem Tod seiner Frau 1810 wuchs Sohn Hyppolite bei Katharina Fedorowna Murawjow gemeinsam mit Cousin Alexander Michailowitsch auf.   

Das Haus der Familie in Moskau (Foto: Vincey, Juni 2013)

Seine Frau Anna mit Sohn Matwei um 1796, dem einzigen Kind, das ihn überlebte. Sergei wurde als Märtyrer gehängt und Sohn Hyppolit starb durch Suizid.

Kapnist, Alexei Wassiljewitsch (1796-1867) Oberstltn.

Sohn des Satirikers Wassilij W. Kapnist (1757-1823), dessen 1798 aufgeführte Komödie "Jabeda" zu grosser Popularität gelangte, obwohl sie nach wenigen Tagen vom Spielplan abgesetzt und erst unter Alexander I. wieder inszeniert wurde (s. Foto unten)


Bei ihm in Obuchowka machten Michail Lunin und Nikita Murawjow Station, als sie auf dem Weg nach Odessa und anschl. auf die Krim waren. W.W. Kapnist hatte die Krim ein Jahr zuvor besucht und darüber geschrieben.

Lewaschew, Jekaterina Gawrilowna (geb. Reschotowa)               Murawjow, Jekaterina Fedorowna (1771-848), Baronesse (Abb. s.o.)  



Die Tochter einer geb. Fürstin Zizianow war enge Vertraute der Zarin und unterstützte ihren Onkel N. I. Lorer während dessen Verbannung in Sibirien und im Kaukasus. Dies tat sie übrigens mit Einverständnis des Herrschers Nikolai I.

     Perowskij, Wassili Alexejewitsch (1795-1857), Außerehelicher Sohn des Grafen A.K. Rasumowskij und Mitglied der Dekabristenorganisation "Militärische Gesellschaft" bis 1818, dgl. sein Bruder Graf Lew Alexejewitsch Perowskij, der später Karriere bei der Garde machte (s. Bild unten).


General N.N. Rajewskij (1771-1829)

Hätte sich Alexander Puschkin eine Familie aussuchen können, so wäre es mit Sicherheit die von General Rajewskij gewesen, bei der Russlands Nationaldichter im Sommer 1820 die schönsten Tage und Wochen seiner Jugend verbrachte. Der tapfere General wurde 1812 zur Legende, als er mit seinen Söhnen eine Batterie bei Borodino verteidigte und damit den Durchbruch der Franzosen verhinderte. Die Rajewskijs blieben am Leben, doch an die 80.000 Menschen mußten am Abend des 17. September in den Reihen der Kämpfenden beweint werden.


Die Mutter dieses Mannes war:



Sie war in erster Ehe mit N.S. Rajewskij verheiratet, und so kam es, dass sie die Mutter von zwei Helden ist, die nicht unwesentlichen Einfluß auf die Gedankenwelt des Dichtergenies Puschkin hatten: General N.N. Rajewskij d.Ä. (s.o.) und W.L. Dawydow. 

Mehr über das Jahr 1812 erfahren Sie auf der Internetseite bei Google: http://www.museum.ru/museum/1812/index.html

Uwarow, Jekaterina Sergejewna  (1791-1868), geb. Lunina           

Am Grab des Bruders in Akatui

Wolkonsky, Sinaida Alexandrowna (1789-1862) Fürstin                       

Karl Brüllow

Nachdem Sinaida 1824 den Entschluss gefasst hatte, sich von ihrem Mann zu trennen, bezog sie ihr Haus auf dem Twerskoi-Boulevard in Moskau, das sie von ihrere Mutter geerbt hatte (das heutige Jelissejew-Geschäft auf der ehem. Gorkistrasse). Sie gestaltete die Räume nach ihrem eigenen Geschmack in den Stilrichtungen verschiedener Epochen. Überall hingen passend dazu die Bilder der berühmtesten Maler Europas. Ihr Haus stand allen offen, die sich für Kunst interessierten. Einige Gäste kamen auch, weil sie die Fürstin Sinaida Wolkonsky anhimmelten. Schon bald galt ihr Domizil als erste Adresse der Moskauer Gesellschaft. Nicht nur Künstler, auch Professoren, Journalisten und Leute von Stand gingen hier ein und aus. Die Jugend fand Ermunterung und Anerkennung. Neben Lesungen und Konzerten gab es Liebhaberaufführungen: Opern, Singspiele, Komödien. Die Hausherrin ließ es sich nicht nehmen, die Hauptrollen selbst zu übernehmen. Sie besaß eine bemerksenswerte Stimme. Unter ihren Gästen befanden sich auch die Mitglieder der "Gesellschaft für Liebhaber der Gelehrsamkeit". Heute würden wir es einen Intelligenzklub nennen. Die Mitglieder waren Literaten (Prosa), Absolventen der Moskauer Universität, darunter so bekannte Namen wie Odojewskij, Wenewitinow, Pogodin... Abgesehen von ihrer Nähe zu Puschkin, handelte es sich dabei um eine Gruppe Oppositioneller, die den Dekabristen näher stand als dem strengen Nikolai. Daraus machte sie auch nach dem 14. Dezember 1825 kein Hehl. Man traf sich schließlich bei Sinaida, um zu erfahren, wie es den Freunden und Verwandten geht...

Literatur: Natalja V. Saikina "Der literarische Salon der Fürstin Sinaida Wolkonsky in Moskau", Verlag der Wiss. Moskau  (Nauka) 2005, 295 S. (Ill.) ISBN 5-02-033257-7


Bestushew, Alexander Fedossejewitsch (1761 - 1810)


Der Vater von den fünf Brüdern Bestushew war eine universal gebildete Persönlichkeit, in deren Haus um 1800 die Bildungselite Petersburg ein und aus ging. Er war Publizist, interessierte sich für Pädagogik, baute mit an der Isaak-Kathedrale und war Verwaltungschef der Akademie der Künste zu St. Petersburg. Außerdem gründete er eine Gießerei im Ural, in der er Säbel für das russische Heer fertigen ließ. Sein Traktat "Über die Erziehung" wurde noch mit Unterstützung Alexander Pawlowitschs herausgegeben.

seine Frau um 1809

Beide Portraits gemalt von Borowikowskij

Murawjow, Michail Nikolajewitsch (1757 - 1807)

Er war ein Schöngeist und Feind des militärischen Lebens, tat sich als junger Mann mit Fabeln und Gedichten hervor und fand die Beachtung von Katharina II. Sie stellte den begabten AUTOR als Lehrer ihrer Enkel Alexander und Konstantin Pawlowitsch ein, damit er ihnen beibringt, die antike Geschichte und die russische Sprache zum Vorteil des Landes zu nutzen. Seine besondere Sympathie galt seinem Neffen, dem jungen Michail Lunin, dem Sohn seiner Schwester. Nach Geburt des eigenen Sohnes Nikita wurden beide eine Zeit lang in seinem Haus erzogen. Er war ein Förderer der Moskauer Universität und sorgte dafür, dass sich der Bestand an Professoren aus dem In- und Ausland deutlich erhöhte. INTERESSANT IST SICHER auch die Tatsache, dass er der Russischlehrer für die Prinzessin Luise Maria Auguste von Baden war, die juge Gemahlin des späteren Zaren Alexander I. Die künftige Zarin zeichnete sich durch hohe Intelligenz aus, lernte rasch und gut, befreundete sich später mit dem Historiographen Karamsin (der zum Umfeld der Murawjows gehörte) und wollte, dass jener ihr Tagebuch publiziert. Der frühe Tod des Historikers im Jahr 1826 verhinderte dies. Nikolai I. ging auf seine Art mit dem Erbe seiner Schwägerin um: er verbrannte es...

Aktuelle Aktivitäten der Deutschen Puschkingesellschaft können Sie einsehen unter der Internetadresse: www.puschkin-online.de


Pawel Wassiljewitsch Annenkow (1812 - 1887)

Der gebürtige Moskauer stiess Ende der 30-er Jahre des 19. Jahrhunderts zum Kreis Belinskijs, der ihn stark beeinflusste. Er war ein Freund Gogols, begleitete diesen nach Rom und machte sich einen Namen als ehrlicher Literat. In den Jahren 1855-57 veranlaßte er eine erste Werkausgabe A. Puschkins und veröffentlichte eine Biographie des Dichters, die heute noch als Quelle angegeben wird (s.a. Wikipedia). Sein Großneffe Juri Annenkow war Sohn eines nach Kamtschatka verbannten politischen Sträflings.



sein richtiger Name ist eigentlich Lev Aslanowitsch Tarassow. Er wurde in Moskau geboren und musste mit seiner Familie nach der Oktoberrevolution fliehen. Zuerst floh die Familie auf die Krim - dort wurden Armenier nicht geduldet,danach reiste man nach Istambul aus, um 1920 schließlich in Paris anzukommen. Das Schicksal seines Landes ließ T. nicht mehr los. In seinen Romanen zur russischen Geschichte nehmen neben Puschkin, Tolstoi, Dostojewskij, Tschechow und Gorki auch die Dekabristen einen großen Raum ein. Ihnen widmete der Preisträger des Prix Goncourt (1938) und das Mitglied der Academie Francaise (seit 1959) eine Tetralogie mit folgenden Titeln: "Die Brüder vom Roten Mohn", "Die Herrin von Kaschtanowka", "Der Rum der Besiegten" , "Die Damen von Sibirien". Alle Titel (zzgl. "Die Erben der Zukunft" und "Solange die Welt besteht") bilden ein breites Epos zum politischen Leben Russlands und erschienen u.a. im Lingen Verlag, Köln. Troyats Bücher zeichnen sich durch gute Quellenlenntnis aus. Er bedient sich fiktiver Helden, die er in den Kreis der Dekabristen integriert, um das Thema mit einer gewissen Freiheit behandeln zu können. (empfehlenswert für Einsteiger!) Da seine epischen Werke etwas an Konsalik erinnern, wurden sie in literarischen Kreisen nicht besonders geschätzt. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Montmatre-Friedhof in Paris.

K.F. Rylejew "Dumy", Buchverlag Nowosibirsk 1988, Nauka 1975

"Dekabristy i Sibir", Verlag Sowjetskaja Rossija 1988, Moskau

"Wospominanija Bestushewych" Verlag NAUKA, St. Petersburg             ISBN 5-02-026370-2

Die Übersetzung eines Großteils dieser Erinnerungen der Gebrüder Bestushew ist derzeit in Arbeit. Der Titel wird aber vermutlich erst 2010 erscheinen.

"Aus der Dekabristenzeit", Gutenberg-Verlag Hamburg 1907     Edelmann, Natan "Verschwörung gegen den Zaren", Moskau/Köln 1984, über Iwan Pustschin: "Боллъшой Жанно" ISBN 5-475-00066-2, 352 S., über Sergei Murawjow-Apostol: "Апостол Сергей" ISBN 5-475-00088-3, 350 S.

    Forsch, Olga "1825 - Roman einer Verschwörung", VdN Berlin, 1966       Gussjew, Wladimir "Legenda o sinjem Gussare", Moskau 1976              Kardin, W. "Sekretnyij Arestant No. 1", Moskau 2002, Terra-Buchklub   Kolesnikowa, Valentina, "Gonimye i neisgnannye", Moskau 2002       Pirumowa,Natalia/Boris Nossik, "Der rebellierende Adel", Kramer Verlag 1995 Sutherland, Christine, "Die Prinzesin von Sibirien", Claassen Verlag 1986    Leo Tolstoi, "Die Dekabristen" Fragment                                       Tynjanow, Juri, "Küchelbecker - Dichter und Rebell", VVW Berlin 1947        Silberstein, Ilja "Chudoshnik-Dekabrist Nikolai Bestushew", Moskau 1988  Wolkonsky, Michail "Die Dekabristen", Artemis-Verlag Zürich, 1946

Einige Künstler und Autoren, die sich mit dem Leben der Dekabristen, bzw. ihrer Zeit auseinandergesetzt haben (Auswahl):

Alexander Herzen, "Erlebtes und Gedachtes"

Michael Jenkins, "Arakcheev"

Dostojewskij, Fjodor Michailowitsch (1821 - 1881) "Die Besessenen"

Militzia Netschkina, "Wosstanie 14 dekabrja 1825 g.", Moskau 1951 u.a.

Okudshawa, Bulat  "Der arme Awrosimow", Berlin 1971

Lew Tolstoi, "Krieg und Frieden", "Die Dekabristen" (Fragment)

Leo Pasternak: Illustrationen (Aguarelle) zum Roman L. Tolstois "Krieg und Frieden"

In englischer Sprache sind erschienen:

Adam B. Ulam: "Russia's Failed Revolutions from the Decembrists to the Dissidents"

Glynn Baratt: "Voices in Exile - The Decembrists Memoires"

Anatol Mazour: "Women in Exile"


Eine Bibliographie aller Texte, die um den Dekabristenaufstand bis 1929 erschienen, finden Sie in:

N.M. Tschenzow "Vosstanie Dekabristov", Staatsverlag Moskau-Leningrad 1929, Reprintdruck im Zentralantiquariat der DDR 1974, Leipzig


Juri Tynjanow "Puschkin", Verlag Kultur und Fortschritt Berlin, 1963, 618 S.

Das Buch behandelt eingehend die familiären Verhältnisse der Hannibal-Puschkins mit Alexanders Aufenthalt am Gymnasium und bricht an jenem Punkt ab, da die Familie Rajewskij Anstalten trifft, in den Kaukasus zu fahren.

Puschkins Erinnerung an die Krim, Gemälde I.K. Aiwasowskijs


Der Text beschreibt die Situation Alexander Puschkins während dessen Zeit in Jekaterinoslaw, im Kaukasus, auf der Krim, in Kischinjow und Odessa. Es beginnt mit dem Besuch der Rajewskiks und endet mit Puschkins Abreise nach Michailowskoje.



Seiten zum googeln: <http://www.litera.ru/stixiya/map.html>

oder hier: <. http://yabloko.ru/Themes/History/Chaadaev.html>

Chronologien: < http://www.hrono.info/1800ru.html



Gogol, ISBN 5-235-02763-9,

Woronzow, ISBN 5-235-02730-2 (413 Seiten),

Wjasemskij, ISBN 5-235-02654-3 (678 Seiten),

A. Iwanow, ISBN 5-235-02610-1 (345 Seiten),

Gortschakow, ISBN 5-235-02611-X (343 Seiten),


Natan Edelmann "Puschkin i Dekabristy" 478 Seiten, Mosjkau 2005, Verlag Wagrius (ISBN 5-9697-0136-X), 10,95 €

"Skaski i legendy puschkinskich mest" 342 Seiten, Verlag Nauka SP

Modest Hofman "Newesta i Zena Puschkina" ISBN 5-8159-0462-7

S.M. Bondi "Nad puschkinskimi textami" 480 S., ISBN 5-06-005318-0

M.A. Nesmejanowa "Utajennaja Ljubow Puschkina" ISBN 5-02-034192-4


M.D. Filin "Maria Wolkonskaja" (russ.) ISBN 5-235-02899-6  421 Seiten


Johannis - Freimaurer - Loge zu Köln (Foto: Vincey)

Ein weniger erforschter Bereich der Dekabristenforrschung ist die Tatsache, dass viele führende Mitglieder des Geheimbundes Freimaurer waren. Einige Grundanliegen des Bundes lassen sich auch darauf zurückführen, dass sie nach wie vor zu den Regeln ihrer Logen standen, gewisse Prinzipien der internationalen Bruderschaft verinnerlicht hatten und ausleben wollten. Das Blaue Band symbolisiert die Treue innerhalb der Bruderschaft. Zitat des Fürsten Obolenskij: "Der Wohlfahrtsbund musste all diejenigen anziehen, die im Leben nicht nur Vergnügen suchten, sondern sich selbst weiterbilden und ihrem Nächsten nützlich sein wollten. Die Gesellschaft hatte sich die moralische Vervollkommnung jedes einzelnen zum Ziel gesetzt, und ihre Mitglieder hatten sich gegenseitige Hilfe zur Erreichung dieses Zieles gelobt."

Hinweis

Alle Abbildungen, sofern nicht angeggeben und aus eigener Hand, stammen aus dem Archiv des Dekabristenmuseums Moskau, bzw. einschlägigen Publikationen zur Dekabristenliteratur (incl. Wikipedia). Da die Schutzfrist für die Autoren/Maler der Bilder abgelaufen ist, gelten sie als kulturelles Allgemeingut.

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